Politik : Zwölf Monate voller Schmerzen

Ralph Schulze

Madrid - Viele Wunden sind auch ein Jahr nach dem Terroranschlag vom 11. März 2004 in Madrid noch nicht verheilt. 218 Menschen befinden sich noch immer in medizinischer Behandlung, viele müssen wegen ihrer Brandwunden und Verstümmelung immer wieder operiert werden. Zwei Schwerverletzte liegen seit zwölf Monaten im Koma. Bei der Bombenserie auf vier Madrider Vorortzüge waren 191 Menschen getötet worden. Die Zahl der Verletzten wird vom spanischen Innenministerium mit rund 1600 angegeben, die Madrider Gesundheitsbehörden zählten hingegen in den Krankenhäusern der Stadt 2061 Personen mit Terrorverletzungen.

Hinzu kommt der Schock, der praktisch die gesamte Drei-Millionen-Stadt nach dem Bombenangriff erfasste. Einer Studie der Madrider Universität zufolge litten rund 250 000 Hauptstadtbewohner wochen- oder sogar monatelang an Depressionen. Spaniens Innenminister Jose Antonio Alonso bilanzierte die Stimmung so: „Die Bevölkerung hat in außerordentlichem Maße an Depressionen und Traurigkeit gelitten.“

Viele Überlebende des Anschlags haben sich vorgenommen, zum Jahrestag am kommenden Freitag aus der Hauptstadt zu flüchten. „Wir wollen einen Tag der Stille“, bat die Opfervereinigung, deren Wunsch aber nicht erhört wurde. Man sei „im Zentrum eines politischen Spiels“, klagt verbittert die Sprecherin der Opferorganisation, Pilar Manjon.

Ein schwarzer Terrortag, der lange Leiden provozierte, aber zugleich 160 Einwanderern die spanische Staatsangehörigkeit bescherte. Ein Geschenk Spaniens an jene Ausländer und ihre Familien, welche durch die Bombenexplosionen besonders schwer betroffen waren. Weitere 1800 Immigranten, die bisher illegal in Spanien lebten, erhielten Aufenthaltspapiere.

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