Zyklon-Folgen : "Die Menschen sind wütend"

Die Schreckensmeldungen aus Birma reißen nicht ab: Nach Angaben von Hilfsorganisationen hat der Zyklon "Nargis" bislang 27.000 Menschenleben gefordert. In der Bevölkerung wächst derweil die Wut auf das Regime. Tagesspiegel.de hat mit Khin Maung Win, Redakteur beim Oppositionssender "Democratic Voice of Burma" mit Sitz in Oslo, über die prekäre Situation im Land gesprochen.

Interview von Achim Fehrenbach
Birma Foto: AFP
In Birma sind zahllose Häuser und Tempel zerstört. -Foto: AFP

Wie ist die Lage in den Katastrophengebieten?



In den entlegenen Regionen sind die Überlebenden auf der Suche nach den Leichen ihrer Angehörigen. Die Menschen benötigen dringend Trinkwasser, Essen und Unterkunft. Ihnen ist nichts geblieben. Viele Dörfer wurden von Flut und Sturm völlig zerstört. In Rangun ist die Situation etwas besser. Aber auch dort kämpfen die Menschen um Zugang zu Trinkwasser, Essen und Elektrizität. Sie müssen die Straßen selbst aufräumen - vom Militär kommt keine Hilfe. Alle warten auf die ausländischen Hilfsorganisationen.

Warum hilft das Militär den Menschen nicht?

Diese Frage stellen sich die Menschen in Birma. Das Land hat mit 400.000 Soldaten die größte Armee in der Region. Normalerweise nutzt die Regierung die Armee, um die Menschen zu unterdrücken. Aber warum hilft sie ihnen nicht in dieser Krisensituation? Die Menschen sind wütend auf die Regierung.

War die Militärregierung nicht auf die Katastrophe vorbereitet?

Sie wusste von der Gefahr, deshalb hat sie Warnungen über die Medien ausgegeben. Es gab aber keinen Evakuierungs- oder Rettungsplan. Zehntausende haben deshalb ihr Leben verloren.

Könnte die Wut der Menschen die Militärjunta in Gefahr bringen?

Im Moment sind die Opfer der Katastrophe sehr verwundbar - sie kämpfen ums nackte Überleben. Aber in den weniger betroffenen Regionen sind die Menschen sehr wütend über die Ignoranz der Regierung. Es könnte wieder zu Protesten kommen [wie im September 2007, als diese blutig niedergeschlagen wurden, Anm. der Red.].

Wie gelangt "Democratic Voice of Burma" an Informationen über die Lage im Land?

Unser Sender hat dort seine eigenen Reporter, die undercover arbeiten.

Kann die internationale Presse ungehindert berichten?

Ein paar ausländische Berichterstatter sind im Land: CNN, Al Dschasira, einige Nachrichtenagenturen. Sie arbeiten verdeckt. Es gibt nur wenig Video-Material, und nur aus Rangun.

Was wird aus dem Verfassungsreferendum, das für kommenden Samstag geplant war?

Erst vor ein paar Stunden hat die Regierung bestätigt, dass das Referendum stattfinden wird. Lediglich in zwei Regionen wird die Abstimmung um zwei Wochen verschoben.

Was ist von dem Referendum zu halten?

Die Militärregierung ist fest entschlossen, sich die Abstimmungsergebnisse zu holen, die sie braucht. Sie will das Referendum um jeden Preis durchziehen - nicht mal die Katastrophe soll sie aufhalten.

Was kritisieren Sie an dem Referendum?

Die Abstimmung ist illegitim, denn die Oppositionsparteien sind nicht zugelassen. Das Referendum dient nur dazu, die Macht des Regimes zu festigen.

Viele Birmanen glauben, der Zyklon ist eine Strafe dafür, dass die Regierung während des Herbstaufstandes Mönche getötet hat.

So ist es.

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