Der Tagesspiegel : Polizei verbreitete falsche Zahlen über getötete Kinder

Potsdam - In der Diskussion um gewaltsam getötete Kinder in Brandenburg hat das Innenministerium gestern schwere Fehler eingestanden: Es seien falsche Zahlen veröffentlicht worden, sagte Innenminister Jörg Schönbohm (CDU). Zuvor hatte das Landeskriminalamt (LKA) auf Tagesspiegel-Anfrage mitgeteilt, dass im Jahr 2006 in Brandenburg 13 Kinder durch Mord, Totschlag, Vernachlässigung oder sexuellen Missbrauch ums Leben gekommen seien. Schönbohm sagte gestern jedoch, in der Jahresstatistik 2006 seien tatsächlich nicht nur 13, sondern sogar 16 Kinder im Alter bis 14 Jahre erfasst, die eines gewaltsamen Todes gestorben sind.

Aber auch diese Zahl ist irreführend. Denn dabei wurden auch acht der neun toten Babys von Brieskow-Finkenheerd mitgezählt. Deren Leichen waren zwar bereits im Jahr 2005 gefunden worden, der Fall sei aber erst 2006 von der Staatsanwaltschaft abgeschlossen worden, weshalb er erst in die 2006er-Statistik des LKA aufgenommen wurde. Dass dies – trotz expliziter Nachfrage – zunächst nicht erklärt worden sei, sei ein schwerer Fehler, sagte LKA-Chef Dieter Büddefeld. Wie es aus dem Innenministerium hieß, soll der Mitarbeiter des LKA, der die fehlerhaften Zahlen herausgegeben hat, versetzt werden.

Auch ohne die acht Babyleichen, die tatsächlich bereits Anfang und Mitte der 90er Jahre getötet worden waren, liegt Brandenburg im Jahr 2006 mit acht gewaltsam zu Tode gekommenen Kindern immer noch über dem Bundesdurchschnitt: Bundesweit starben statistisch zwei von 100 000 Kindern unter 14 Jahren gewaltsam, in Brandenburg waren es drei von 100 000. Im Jahr 2005 wurden in Brandenburg 14 Kinder bis 14 Jahre getötet – das waren doppelt so viele wie im Bundesdurchschnitt. pete/just

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben