Der Tagesspiegel : Polo am Spreewald: Neuer Aufgalopp auf Gut Repten

Claus-Dieter Steyer

An diesem Wochenende galoppieren sie wieder mit ihren langen Schlägern über die Wiesen des Gutes Repten am Rande des Spreewaldes: die Polo-Spieler. Nach der weitgehend im intimen Rahmen stattgefundenen Brandenburger Premiere vor einigen Wochen soll die schnelle Sportart nun erneut in einem Turnier vorgestellt werden. Spieler des Berliner Poloclubs, des Poloclubs Berlin-Brandenburg und des britischen "Light Dragoons Regiment Bergen Hohne" wollen ihr Können auf den speziell gezüchteten Pferden am Sonnabend ab 16 Uhr und am Sonntag zwischen 14 und 16 Uhr zeigen. Der Eintritt kostet 20 Mark. Wer am festlichen Dinner am Samstagabend vor dem alten Gutshaus von 1730 dabei sein will, zahlt 130 Mark.

Veranstalter und Eigentümer von Gut Repten, Pascual Jordan, will sein Domizil mehr und mehr bei den Pferdesportfreunden der Region bekanntmachen. Am 29. und 30. Juli sowie am 5. und 6. August bietet Patrick Strasser vom Poloclub München Lehrgänge für den nicht zuletzt durch den Film "Pretty Woman" bekanntgewordenen Sport an. Auf den fast schon legendären Ruf von Julia Roberts "Hu, hu, hu - fantastischer Schlag" werden die Anfänger allerdings anfangs noch verzichten müssen. Denn als Trainingspartner steht zunächst nur ein Holzpferd zu Verfügung. Dressur-Freunde können sich das Wochenendseminar vom 25. bis 28. August vormerken.

Die rund 150 Einwohner betrachten das Treiben auf dem Gut noch etwas zurückhaltend. Die Schwellenangst vor den überwiegend mit teuren Autos und teuren Tieren vorfahrenden Gästen scheint doch erheblich zu sein. "20 Mark Eintritt fürs Pferdegucken? Das kann ich billiger haben", sagte ein Mann hinter dem Gartenzaun auf der Dorfstraße und zeigte stolz seinen gerade gefüllten Pflaumenkorb. "Dahinten stehen auch zwei Pferde."

Da lag der Mann dann doch etwas daneben. Polo-Pferde sehen doch ganz anders aus: Vergleichsweise klein, schlank und feurig im Gemüt, wie die Premiere mit zur Weltklasse zählenden italienischen Reitern unlängst zeigte. Wie der gebürtige Hamburger Pascual Jordan die Römer zu dem Abstecher ausgerechnet in die Brandenburger Provinz überreden konnte, blieb sein Geheimnis. Doch der 36-jährige Künstler, der sich bis zum vergangenen Jahr einen guten Namen als Initiator des Lausitzer Opernsommers in Geisendorf gemacht hatte, war selbst viele Jahre in Rom zu Hause. Da muss wohl irgendwann die Idee zu einem Polo-Zentrum für Brandenburg geboren worden sein.

1996 hatte Jordan das 16 Hektar große Gut Repten in einen ziemlich verwahrlosten Zustand gekauft. Das Geld dafür stammte aus der Entschädigung für den alten Familienbesitz Geisendorf, der wohl bald von Braunkohlebaggern beansprucht wird.

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