Popkomm : Britpopper Travis in Berlin

Am Freitag spielt die Britpop-Band Travis auf der Popkomm im Berliner Postbahnhof. Mit Titeln wie "Why Does It Always Rain On Me" eroberten die Jungs um Sänger Fran Healy Ende der 90er die Herzen vieler Fans. Ihr neues Album "Ode To J. Smith" lässt die alten Zeiten wieder aufleben.

Sänger Fran Healy der Band Travis
Travis spielt am Freitag auf dem Popkomm-Festival in Berlin. -

BerlinTraurig und schön. Kaum eine Band vermag die beiden Attribute so zu vereinen wie die Schotten von Travis. Mit schwerblütigen Ohrwürmern wie "Why Does It Always Rain On Me" eroberten die vier Musiker Ende der 90er die Herzen vieler Fans. Auch für Coldplay war Travis' nachdenklich melancholische Spielart des Britpop ein wichtiger Einfluss. Erst 2007 erschien "The Boy With No Name", das fünfte Werk der Jungs um Sänger Fran Healy, der mittlerweile in Berlin lebt. Und nun steht schon das sechste Album in den Läden: Mit "Ode To J. Smith" veröffentlichte Travis vor kurzem eine Platte, die in nur 14 Tagen eingespielt wurde.

Healy staunt selbst darüber, dass die Arbeit an der CD so flott voranging: "Ich habe mich nach den zweiwöchigen Aufnahmen gefragt: Wie haben wir das nur geschafft?" Dass die neue Platte rauer und rockiger klingt als der Vorgänger, habe aber auch damit zu tun, dass die Songs zunächst für Gitarre geschrieben wurden. Fans des sanften Travis-Sounds müssen jedoch nicht bangen. Vom Erfolgsrezept der Alben "The Invisible Band" und "The Man Who" hat sich das Quartett nicht gänzlich verabschiedet, wie etwa die getragene Ballade "Before You Were Young" zeigt.

Welchen Einfluss Coldplay auf die neue Platte hatten

Dass sich die Musiker von Travis auf der neuen CD auf alte Stärken besinnen, habe unter anderem daran gelegen, erzählt Healy, dass "Leute wie Chris Martin von Coldplay zu mir sagten: Warum singst du nicht mal wieder wie auf der ersten Platte?" In der Tat erinnert Travis von 2008 ein wenig an das 97er-Debüt "Good Feeling". Doch das Album hält noch andere Überraschungen parat: So ist im Stück "J. Smith" ein gewaltiger Chor zu hören. "Es ist einer der begehrtesten Amateurchöre Großbritanniens. Ein Teil des Gesangs ist auf Latein, meine Texte wurden dafür aus dem Englischen übersetzt."

Die Fans reagierten erst einmal zurückhaltend: In den aktuellen Charts stieg die Platte gerade einmal auf Platz 49 ein. Healy erklärt, um wenn es sich bei "J. Smith" handelt, dem Protagonisten eines Albums, dessen Texte weit weniger autobiographisch sind, als man das von Travis kennt. "J. Smith ist ein Typ, der stirbt, als sein Radio versehentlich in die Badewanne fällt, der darauf in den Himmel kommt und dort auf Engel trifft." Ein Zeitungsartikel über einen Mann, der Selbstmord begehen wollte, dann aber von einem Bus überrollt wurde, habe ihn zu dieser Figur inspiriert, erzählt der Frontmann.

Healy: Berlin ist spannender als New York

Seit diesem Frühjahr lebt der Travis-Sänger mit seiner deutschen Frau und dem gemeinsamen Kind in Berlin-Prenzlauer Berg. Mitte der 90er war die Band von Glasgow nach London gezogen. Nach zwölf Jahren in der britischen Metropole habe Healy vor der Frage gestanden: "New York oder Berlin?" Die deutsche Hauptstadt hat das Rennen gemacht, weil sie zurzeit spannender sei. "Berlin hat etwas, das die Leute anzieht wie ein großer Magnet." Mit der deutschen Sprache hapert es indes noch ein wenig. Dabei hat der 35-Jährige einen hervorragenden Lehrer: "Ich übe, indem ich meinem zweieinhalb Jahre alten Sohn zuhöre, der mit mir auf Deutsch spricht und mir danach auf Englisch erklärt, was er gerade gesagt hat."

An diesem Freitag (10.10.) hat er weitere Gelegenheit sein Deutsch zu testen: Travis spielt im Rahmen des Popkomm-Festivals live im Berliner Postbahnhof. Auch wenn Coldplay Travis in Sachen Erfolg mittlerweile hinter sich gelassen haben, werden die beiden Bands noch immer miteinander verglichen. Healy ist indes erleichtert darüber, dass er nicht so im Fokus der Klatschpresse steht wie Coldplay-Sänger Chris Martin und dessen Frau, Schauspielerin Gwyneth Paltrow: "Berühmt werden ist wie die Reise zu einem anderen Planeten." Travis aber, das zeigt das bodenständige neue Album, haben längst zur Erde zurückgefunden. (kk/dpa)