Porträt : Jürgen Roland - sein Herz schlug für den Krimi

Bereits am Freitag ist Regisseur Jürgen Roland gestorben. Wer war der Krimi-König, der von Edgar Wallace bis hin zum Großstadtrevier Kriminelle in Szene setzte?

Dorit Koch,Almut Kipp
Jürgen Roland
Jürgen Roland bei Dreharbeiten 1991 -Foto: dpa

Hamburg Sein Herz schlug für den Krimi. Altmeister Jürgen Roland brachte Mörder, Diebe und Schurken, Kommissare und Polizisten in die deutschen Wohnzimmer. "Mich interessiert, was in diesen Menschen vorgeht", sagte Roland einst. Das versuchte er unter dem Einsatz des genretypischen Spannungsbogens dem Film- und Fernsehpublikum näher zu bringen. "Jürgen Roland hatte ein Gespür für das, was beim Publikum ankommt, und ein Gespür für gute Schauspieler", lobte Kollege Dieter Wedel. Rolands Renommee war über Jahrzehnte ungebrochen - und wird es für viele Film- und Fernsehmacher nach seinem Tod bleiben. Der Regisseur starb am vergangenen Freitag nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 81 Jahren.

Die Vorliebe des Hamburgers für Geschichten um Täter und Opfer währte lange, als Schüler schon führte Roland selbstverfasste Krimis auf. Sein Geschäft lernte er von der Pike auf - bis 1948 als Radioreporter, später als Fernsehredakteur, ab 1953 als Regisseur. Bekannt wurde Roland als "Reporter mit der Kamera": Mit gründlich recherchierten, milieugerecht und realistisch nachgestellten Kriminalfällen etablierte er ein neues Genre. Nach der Serie "Der Polizeibericht meldet" (1954) folgte die populäre Reihe "Stahlnetz" (1958-1968). Auch mit dem Krimi-Quiz "Dem Täter auf der Spur" (1967-1973) mit Einschaltquoten bis zu 64 Prozent gelang ihm ein "Straßenfeger".

Denkmal für die Hamburger Polizei

Roland drehte Edgar-Wallace-Filme und "Tatort"-Folgen. Vor allem aber kannte der Kiez-Experte Hamburgs "sündige Meile" wie kaum ein anderer. 1959 arbeitete er vier Wochen lang auf dem Polizeirevier Davidwache an der Reeperbahn - sein späterer Film "Polizeirevier Davidswache" ist preisgekrönt. Immer wieder zog es den einstigen Amateurboxer in die Boxerkneipe "Ritze".

Der Arbeit der Polizei in der Hansestadt setzte der Regisseur gewissermaßen ein Denkmal: Das von ihm aus der Taufe gehobene "Großstadtrevier" hat sich zum TV-Dauerbrenner entwickelt. Die älteste ARD-Vorabendserie ist seit 1986 im Programm. Nicht auf Action und Gewalt setzen die Filme, sondern auf sympathische Charaktere, menschliche und spannende Geschichten. "Das Erfolgsgeheimnis liegt sicher in der Realitätsnähe, der guten Produktion und den Schauspielern", meinte Roland. Die Serie gefiel auch der Bremer Polizei: Roland habe eine Lanze für die Ordnungshüter gebrochen, befand sie und kürte den ehemaligen Polizeireporter zu ihrem "Ehrenkommissar".

Roland mahnte anspruchsvollere Sendungen an

Doch mit 80 Jahren wurde es Roland dann doch zu viel dessen, was sich ihm im Fernsehen an Kriminellem bot: "Wenn einer vom anderen Stern vor unserem TV landen würde, müsste er denken, er ist mitten im Herz von Chicago - es knallt, qualmt und raucht ja überall." Sogar die "Tatort"-Filme in der ARD, die Roland sehr gern anschaute, flimmerten ihm zu oft über den Bildschirm. "Früher war der "Tatort"-Abend am Sonntag etwas Besonderes, heute kann man fast jeden Tag irgendwo eine Wiederholung aus der Reihe sehen."

Mit Kritik sparte der Fernseh-Fan nicht: "ARD und ZDF sollten sich öfter daran erinnern, dass sie Gebühren erhalten. Die schreckliche Quotenpeitsche ist zwar da, trotzdem sollten sie weniger danach schielen und mehr anspruchsvolle Sendungen zeigen", sagte Roland. Er selbst schaute oft fern, "allein schon, weil in vielen Filmen Kollegen zu sehen sind, mit denen ich selbst gearbeitet habe". Sein Lieblings-Kommissar beim ARD-"Tatort" war Klaus J. Behrendt - "aber alle Kommissare sind exzellente Schauspieler". Auch sie werden den "Krimikönig" vermissen. (mit dpa)