Positiv getestet : Pferd gedopt, deutscher Reiter gesperrt

Deutschland hat seinen ersten Doping-Fall bei diesen Olympischen Spielen - bei einem Pferd. Auch drei weitere Springreiter-Teams sind betroffen, darunter Bronzemedaillengewinner Norwegen.

Nikolaus Schmidt[Hongkong]
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Ross und Reiter genannt. Christian Ahlmann mit Cöster.Foto: AFP

Am Donnerstagnachmittag war Christian Ahlmann schon längst auf dem Weg zurück nach Deutschland. Eigentlich hätte der Springreiter zu dieser Stunde mit seinem Pferd Cöster im Parcours um eine olympische Medaille kämpfen sollen. Doch dem Wettkampf kam eine Dopingkontrolle zuvor – und die fiel für Ahlmanns Pferd Cöster positiv aus. Reiter und Pferd wurden sofort disqualifiziert.

Bei dem Schimmel Cöster wurde die verbotene Substanz Capsaicin gefunden, ein Mittel, das aus der Chilischote gewonnen wird und die Durchblutung fördern kann. Auf die Pferdebeine aufgetragen kann es allerdings auch die Empfindlichkeit der Haut steigern. Schlägt das Pferd dann mit seinen Beinen an ein Hindernis, so schmerzt das besonders – und veranlasst beim nächsten Sprung zu größerer Vorsicht.

Cöster wurde als einziges deutsches Pferd getestet

Insgesamt wurden bei 15 Pferden Dopingproben genommen. Cöster war das einzige deutsche Pferd, das getestet wurde, jedoch nicht das einzige, bei dem Spuren von Capsaicin nachweisbar waren: Auch Lantinus von Denis Lynch (Irland), Chupa Chup von Bernardo Alves (Brasilien) und Camiro von Tony Hansen (Norwegen) wurden positiv getestet und ebenfalls sofort suspendiert.

„Dieses Ergebnis ist ein ernster Angriff auf das Ansehen des Reitsports“, sagt der Vizepräsident der Fédération Equestre Internationale (FEI) Sven Holmberg aus Schweden. „Offenbar haben wir es hier mit einem Trend zu tun.“ Capsaicin kann erst seit zwei Jahren nachgewiesen werden. „Ich bin schockiert“, sagte Ludger Beerbaum. „Es ist doch merkwürdig, dass bei allen Pferden dieselbe Substanz gefunden wurde.“

Die B-Probe soll in drei bis vier Tagen vorliegen

Christian Ahlmann wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Er müsse sich erst mit der Analyse befassen und recherchieren, bevor er eine Erklärung abgebe, hieß es. Sollte Capsaicin zum Zwecke der Hypersensibilisierung auf die Pferdebeine aufgebracht worden sein, ist der Tatbestand des Dopings erfüllt, ansonsten handelt es sich um minderschwere Medikation.

Die Ergebnisse der B-Proben sollen in drei bis vier Tagen vorliegen. Sollten sie das erste Testergebnis bestätigen, wird Norwegen seine Bronzemedaille aus dem Mannschaftswettbewerb voraussichtlich an die Schweiz verlieren. Das deutsche Team würde vom fünften auf den neunten Platz zurückfallen.

Keine Lehren aus Athen?

Bei ebenfalls positiver B-Probe kündigte das FEI-Tribunal eine Entscheidung noch im Laufe des Septembers an. Er sei von dem Analyseergebnis völlig überrascht worden, sagte der deutsche Mannschaftstierarzt Björn Nolting. Die deutschen Reiter hätten im Vorfeld der Olympischen Spiele unterschrieben, jede Medikation mit ihm abzusprechen. Vor allem die Erfahrung von Athen hätte eine Lehre sein müssen, sagte Nolting.

Ludger Beerbaum wurde nach den Spielen 2004 disqualifiziert, weil bei seinem Pferd Goldfever eine cortisonhaltige Substanz gefunden wurde, die von der Verwendung einer Wundsalbe stammen soll, wie es heißt. Die Deutschen mussten die Goldmedaille gegen Bronze tauschen.

Ein "Supergau"

Peter Hofmann, der Vorsitzende des deutschen Springausschusses, sprach von einem „Supergau“. Er sieht sogar die Zukunft des olympischen Reitsports gefährdet.

Dem hält Hanfried Haring, der Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und Mitglied des FEI-Bureaus entgegen: „Es wird jetzt davon abhängen, wie die FEI mit diesen Fällen umgeht und glaubhaft zeigen kann, wie ernst es ihr mit dem Kampf gegen das Doping ist.“