Potsdam : Alles auf Anfang für die Architekten

Schloss-Jury: Möglichst alle Originalteile des Schlosses sollen für die Fassade verwendet werden. Bisherige Entwürfe enttäuschend.

Thorsten Metzner

Beim Aufbau des Potsdamer Stadtschlosses als künftiger Landtagssitz sollen „möglichst alle“ noch erhaltenen Originalteile des historischen, 1958 abgerissenen Knobelsdorffbaus verwendet werden. Das haben Finanzminister Rainer Speer (SPD) und der Chef des Bundes der Architekten (BDA) Kaspar Kraemer, der Vorsitzende der Fachjury für das Projekt, am Donnerstag in Potsdam angekündigt. Zuvor hatte sich die 13-köpfige Jury, die aus sieben Architekten und sechs Politikern besteht, auf einen neuen Fahrplan für den Landtagsneubau verständigt. Nachdem der SAP-Gründer Hasso Plattner verbindlich zugesagt hat, 20 Millionen Euro für die Rekonstruktion der Schlossfassade zu spenden, sollen die sechs am Vergabeverfahren beteiligten Konsortien nun bis Sommer 2008 ihre Entwürfe noch einmal überarbeiten.

Der Zuschlag ist laut Speer für Anfang 2009 vorgesehen, die Fertigstellung wie bisher für 2011 geplant. „Die Maßgabe an die Konsortien ist, dass das äußere Erscheinungsbild sich weitestgehend am Knobelsdorff-Bau des 18. Jahrhunderts orientieren soll“, erläuterte Kraemer. Das wird für die Architekten zur Herausforderung: Es seien „keine Abstriche“ am Raumprogramm zulässig, erklärte Speer. Das heißt, dass in dem Gebäude für den Fall einer Fusion auch ein gemeinsames Parlament für Brandenburg und Berlin (150 Abgeordnete) Platz haben muss. Brandenburg hat allein 88 Volksvertreter.

Wie es aus der Jury hieß, wird das größte Problem, dass die Schlossfassade wegen der hohen Prunkräume nur drei Etagen hatte, hinter die nun für das Parlament vier oder fünf Geschosse kommen sollen. Speer deutete an, dass möglicherweise der Innenhof stärker bebaut werden muss und der Plenarsaal sich „dorthin wenden könnte.“ Zugleich stellte er klar, dass es für „mehr Schloss“ als Außen keine Chance gibt. Sonst müsste man eine andere Nutzung als den Landtag suchen. Zuvor hatte der Potsdamer Stadtschlossverein erneut gefordert, auch die Fassade zum Innenhof historisch zu bauen. Da nach Berechnungen von Stadt und Land die Außenfassade rund 13 Millionen Euro kostet, sei von der Plattner-Spende Geld übrig, sagte der Vorsitzende Michael Schöne. „Man sollte auch im Hof keine Experimente machen.“

Die Fachjury hatte zunächst auch ein Ranking der bislang eingereichten sechs Entwürfe vorgenommen, die nun „in den Tresor“ (Speer) wandern und für das weitere Verfahren ohne Belang sind. Wie aus Teilnehmerkreisen verlautete, war deren Qualität „eher ernüchternd“. Es seien Entwürfe für moderne Bürokomplexe gewesen, ähnlich der Wilhelmgalerie in Potsdam, oder dem Gebäude der Industrie- und Handelskammer. Lediglich der erstplatzierte Entwurf habe versucht, wenigstens die historischen Fassaden-Gliederungen des Schlosses aufzunehmen, hieß es. BDA-Bundeschef Kraemer äußerte sich diplomatisch über die Entwürfe: „Man hatte schon das Gefühl, dass die Flügel der Architekten sich schwer bewegt haben.“

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