Potsdam : Beifall für den Park-Sünder

Bürgerinitiativen unterstützen Wolfgang Joop im Kampf gegen das Radfahrverbot von Sanssouci. Weitere Verstöße werden schon angekündigt.

Joop
Leidenschaftlicher Fahrradfahrer: Modeschöpfer Wolfgang Joop. -Foto: ddp

PotsdamNachdem der Potsdamer Modeschöpfer Wolfgang Joop wegen Fahrradfahrens im Park Sanssouci mit einem Parkwächter aneinandergeraten ist, hat er in der Stadt einige Zustimmung erfahren. Unterstützung kam zum Beispiel von dem Fachhochschulmitarbeiter Jan Gabbert, der im vergangenen Jahr die Aktion „Rasenlatschen“ im Park Sanssouci organisiert hatte. Damals hatten 120 Potsdamer mit einem Picknick im Freien und sportlicher Betätigung auf den Sanssouci- Wiesen gegen die Parkordnung protestiert. Gabbert äußerte „Verständnis“ für Joops Radtour durch den Park. „Wenn sich niemand an die Parkordnung hält, dann nützt auch die schönste Verordnung nichts.“ Joop war, wie gestern berichtet, mit zwei unangeleinten Hunden durch den Park geradelt. Als er von einem Wächter angehalten wurde, kam es zum Streit, der mit gegenseitigen Anzeigen endete.

Für David Helm von der Bürgerinitiative Babelsberger Park ist der Vorfall Anlass, weiter über die Parkordnung und den Einsatz der Parkwächter zu diskutieren. Zwar habe die Schlösserstiftung im Dezember angekündigt, im Neuen Garten und im Babelsberger Park weitere Wege für Radfahrer zu öffnen, „doch wir sind mit der Diskussion noch lange nicht am Ende“, sagt Helm. Neben der Frage des Radfahrens gehe es auch um das Betreten von Wiesen und andere Nutzungen des Parks. Der Vorfall mit Joop zeige, „dass es weiter brodelt“. Die Bürgerinitiative hätte in der Vergangenheit ebenfalls viele Berichte erhalten, die zeigten, „dass die Stiftung ihre Wachleute anscheinend nicht im Griff hat“. Im Herbst hatte die Initiative 10 600 Unterschriften gegen die Parkordnung gesammelt, die vor einem Jahr in Kraft getreten war.

Auch Joops Partner und Geschäftsführer des Unternehmens „Wunderkind“, Edwin Lemberg sagte, Joop habe viele Solidaritätsbekundungen erfahren. Der Modeschöpfer sei gestern im Neuen Garten unterwegs gewesen und dort von Potsdamern angesprochen worden, die ihm erzählten, dass ihnen Ähnliches widerfahren sei. Demnächst könnte es eine gemeinsame Aktion von Joop und der Babelsberger Initiative geben, bei der „bürgerlicher Ungehorsam“ gegen das Radfahrverbot in den Parks demonstriert würde, sagte Lemberg. Joops Anliegen sei die öffentliche Debatte über die Parkpolitik der Schlösserstiftung und die Kommerzialisierung des Welterbes unter Generaldirektor Hartmut Dorgerloh. Einerseits liefen bei der jährlichen Schlössernacht mehr als 30 000 Besucher durch den Park Sanssouci und verursachten Schäden, andererseits ginge die Stiftung gegen „ruhige Parkbesucher“ vor, die dem Welterbe nicht schadeten. Dass Joop sich künftig an alle Vorschriften der Parkordnung halten werde, konnte sein Sprecher nicht versichern. Er werde zwar „nicht die nächste Ordnungswidrigkeit androhen, aber es ist nicht ausgeschlossen, dass Wolfgang Joop mit dem Rad einmal vom Weg abkommt, wenn er schneller zu seiner Mutter nach Bornstedt will“. Joop lebt in Potsdam in unmittelbarer Nähe des Neuen Gartens. Er selbst äußerte sich gestern nicht mehr zu dem Vorfall.

Die Schlösserstiftung wollte den Streit gestern nicht mehr weiter anheizen. „Wir bedauern die Erregung von Herrn Joop“, sagte Stiftungssprecher Ulrich Henze. „Vor der Parkordnung sind aber alle gleich.“ Joop sei vor dem jüngsten Vorfall bereits zweimal verwarnt worden. Die angekündigte Lockerung des strikten Radfahrverbots im Neuen Garten und in Babelsberg solle „in Kürze“ umgesetzt werden, sagte Henze.

Wolfgang Hadlich, Leiter des Büros von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), bedauerte, dass es zu der Auseinandersetzung gekommen sei. Eine Bewertung des Vorfalls könne erst nach Abschluss der Ermittlungen vorgenommen werden. Unabhängig davon sei die Stadt mit der Stiftung weiter im regelmäßigen Gespräch. Es gebe weiterhin noch einige offene Fragen zur Parkordnung. Dazu gehöre beispielsweise das Schieberecht für Fahrräder auf bestimmten Wegen. Hadlich: „Eine Eskalation bringt jedoch gar nichts.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben