Potsdam : Ermittlungen nach tödlichem Tram-Unfall

Ein 17-jähriger Potsdamer war von einer Tatra-Straßenbahn erfasst und tödlich verletzt worden. Mehrere Gutachten sollen nun die genauen Umstände klären.

Potsdam - Ein tödlicher Straßenbahn-Unfall beschäftigt derzeit die Potsdamer Staatsanwaltschaft. Wie berichtet war in der Nacht zum vergangenen Sonnabend ein 17-jähriger Potsdamer von einer Tatra-Straßenbahn erfasst und tödlich verletzt worden. Mehrere Gutachten sollen nun die genauen Umstände klären.

So wird die Leiche des Jungen obduziert und die technische Prüfgesellschaft Dekra untersucht die Tram auf Mängel. Es seien Ermittlungen in alle Richtungen aufgenommen worden, sagte ein Sprecher der Potsdamer Staatsanwaltschaft. Er schloss nicht aus, dass seine Behörde wegen des Unfalls Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung aufnehmen könnte.

Die Potsdamer Verkehrsbetriebe (ViP) verwiesen gestern noch einmal darauf, dass aus ihrer Sicht an der Sicherheit der zum Unfallzeitpunkt eingesetzten Tram kein Zweifel bestünde. Zum Hergang des Unfalls an der Haltestelle gibt es unterschiedliche Angaben von Zeugen - eine Kamera war in der Tram nicht installiert. Eine Version der Zeugen geht davon aus, dass der Junge beim Einsteigen abrutschte, sein Rucksack sich in der Tür verhakte und er so unter die Bahn geriet. Eine andere Augenzeugin will dagegen gesehen haben, dass die Tür der Tram noch offen war, als diese losfuhr. Der 17-Jährige sei mitgerannt, ehe er unter die Bahn geriet. ViP-Geschäftsführer Martin Weis hatte nach dem Unfall ausgeschlossen, dass eine Tatra-Bahn mit geöffneter Tür losfahren kann. Ein Sicherheitsmechanismus habe dies angeblich verhindert.

Allerdings funktioniert dieser Mechanismus offenbar nicht immer einwandfrei. So hatte ein Test Anfang 2006 ergeben, dass es möglich ist, eine Hand in den Tatra-Türen einzuklemmen. Anlass für den Test war ebenfalls ein Unfall: Damals hatte laut Polizei ein 39-jähriger Mann seiner Bekannten in der Bahn die Hand gereicht, doch plötzlich hatten sich die Türen geschlossen und die Bahn war losgefahren. In der Folge war der Mann zwischen die Waggons der bremsenden Bahn gestürzt. Er überlebte schwer verletzt.

Ein ViP-Sprecher bestätigte den Vorfall, wollte ihn aber nicht mit dem aktuellen Unfall in Verbindung gebracht wissen. „Unsere Fahrer verlassen sich nicht nur auf die Türen, sondern sind auch angewiesen, vor dem Fahren immer in den Rückspiegel zu schauen“, sagte er. HK

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