Der Tagesspiegel : Potsdam feiert Turbine nach dem Pokal-Sieg

Sabine Schicketanz

Potsdam - Jann Jakobs konnte sich gar nicht satt sehen an der Anzeigetafel. Sie zeigte das so sehr Herbeigesehnte: 1. FFC Frankfurt - 1. FFC Turbine Potsdam 0:3. Potsdams Oberbürgermeister, bisher Frauenfußball-Fan eher nur von Amts wegen, war wie aus dem Häuschen, sprang Sekunden nach dem Schlusspfiff über den Rasen des Berliner Olympiastadions. Die Freude galt nicht nur dem überlegenen Sieg der jungen Potsdamerinnen und dem Erfolg des jahrzehntelangen Engagement von Trainer Bernd Schröder – der Gewinn des Pokals ist seit der Wende der erste Titel für eine ostdeutsche Fußballmannschaft überhaupt.

„Das war mehr als nur ein normales Finale. Damit habt ihr den Ostdeutschen ein Stück Selbstbewusstsein wiedergegeben“, sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck den Kickerinnen beim improvisierten Meisterempfang am Sonntagmorgen vor dem Hotel Ascot Bristol in Potsdam-Drewitz. Endlich habe sich die „jahrelange Aufbauarbeit“ mit einem Titel ausgezahlt, das aus der DDR übernommene Sportschulsystem bekomme so Rückenwind, sagte Platzeck.

In der Nacht zuvor hatte Turbine noch lange in dem Hotel gefeiert. Die Gesänge der Spielerinnen schallten durch die Räume, Trainer Schröder schmauchte eine Siegerzigarre, die Turbine-Vizepräsident Rolf Kutzmutz bei einer Kuba-Reise von Fidel Castro geschenkt bekommen hatte, gegen drei Uhr war Nadine Angerer immer noch in Partylaune – nicht zu spüren war, dass auch dieses Fest improvisiert war: Der Verein hatte nichts geplant – aus Aberglaube. „Das haben wir zum letzten Saisonfinale gemacht, und es war ein schlechtes Omen“, so Jakobs. Potsdam verpasste die Meisterschaft und wurde nur Zweiter.

Der langen Nacht zum Trotz stand die ganze Truppe am Sonntag um zehn Uhr pünktlich im Hotelfoyer – abfahrbereit nach Saarbrücken, wo sie schon am gestrigen Montag wieder ein Punktspiel hatte – das sie 7:0 gewann. Offiziell begrüßen wird Potsdam die Pokalsiegerinnen am morgigen Mittwoch: Zur Sitzung der Stadtverordneten werden sie im Rathaus empfangen und tragen sich ins Goldene Buch ein.

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