Potsdam : Havelausbau gefährdet Unesco-Weltkulturerbe

Eine Verbreiterung und Vertiefung des Havelflussbetts für Großschiffe würde zu einem sinkenden Wasserstand führen. Sollte das Projekt realisiert werden, wird sich die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten an die Unesco wenden.

PotsdamNach Expertenansicht gefährdet der geplante Ausbau der Havel für Containerschiffe Potsdams Unesco-geschützte Havellandschaft. Gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte der ehemalige Gartendirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Michael Seiler, dass durch die Verbreiterung und Vertiefung des Flussbettes der Wasserspiegel zu fallen drohe. Für historische Gebäude wie die Heilandskirche und das Wasserwerk in Babelsberg, die auf Eichenpfählen stehen, wäre das eine Katastrophe. "Die Pfähle fangen an zu faulen."

Darüber hinaus befürchtet Seiler, dass für die 185 Meter langen Schiffe "autobahnartige Kurven" angelegt würden. Im Falle von Sacrow würde die Fahrrinne damit dicht an die Römische Bank und die Heilandskirche herangeführt werden. Dies würde eine erhebliche Sichtbehinderung durch die Großschiffe bedeuten. Außerdem greife der Wellenschlag den Schilfgürtel und Fundamente der Gebäude an, die dicht am Wasser stehen.

Havelausbau ein unnötiges Projekt?

Seiler plädierte dafür, auf das Ansteuern von Berlin mit Riesenschiffen zu verzichten. Er warte immer noch darauf, dass jemand den echten Bedarf dafür vorrechne. Angeblich passiert den Kanal ein Schiff pro Woche. Sollten die Pläne nach dem letzten Stand durchgesetzt werden, wird die Stiftung die Unesco mobilisieren müssen, sagte der ehemalige Oberkustos der Pfaueninsel.

Seit 1990 gehört die von Gartenarchitekt Peter Joseph Lenné geschaffene Havellandschaft zwischen Pfaueninsel und Caputh zum Unesco-Weltkulturerbe. Das Verkehrsprojekt "Deutsche Einheit Nummer 17" sieht den Ausbau der Wasserstraße auf der Strecke Wolfsburg-Magdeburg-Berlin auf 280 Kilometern für Großmotorgüterschiffe vor. Brandenburgs Infrastrukturminister Reinhold Dellmann (SPD) rechnet bei einer Realisierung mit einer "deutlichen Zunahme" des Transportsportaufkommens auf dem Wasser. (fg/ddp)

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