Potsdam : Holländer sollen Stadtschloss aufbauen

Ein niederländischer Konzern erhält offenbar den Zuschlag für den 120-Millionen-Euro-Auftrag. Baubeginn ist 2010.

Thorsten Metzner
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Historisch. So sah es aus, das Potsdamer Stadtschloss. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1910. Foto: akg-images

Potsdam - Ein Baukonzern aus den Niederlanden soll Potsdams Stadtschloss wieder aufbauen: Wenn nicht in letzter Minute noch Dramatisches dazwischenkommt, will Brandenburgs Finanzminister Rainer Speer (SPD) nach Tagesspiegel-Informationen dem Unternehmen Royal Bam Group den Zuschlag für den Bau des neuen Landtages auf dem Alten Markt geben. Der soll bis Ende 2012 mit den historischen Außen- und Hoffassaden des berühmten Knobelsdorffschlosses errichtet werden. Die geplante Entscheidung soll am Freitag nach einer Sitzung des Landtags-Haushaltsausschusses, der einer „Sonderfinanzierung“ zustimmen muss, auf einer Pressekonferenz im Alten Rathaus bekannt gemacht werden. Auf dem Termin, an dem kurzfristig Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) teilnehmen wird, sollen erstmals Entwürfe und Pläne für den Schlossaufbau öffentlich präsentiert werden. Baubeginn soll 2010 sein.

Dass die frühere Preußenresidenz das zu DDR-Zeiten abgerissene Stadtschloss wieder erhalten soll, steht nach Beschlüssen von Stadt und Landtag sowie der spektakulären 20-Millionen–Spende des Software-Milliardärs Hasso Plattner für die historische Fassade seit zwei Jahren fest. Offen war bislang, wer den Auftrag für das renommeeträchtige Vorhaben erhält. Im laufenden Vergabeverfahren für den 120-Millionen-Euro teuren Landtag, der in einer „öffentlich-privaten Partnerschaft“ (ÖPP) errichtet und vom Land dann 30 Jahre gemietet wird, sind von einst sechs zuletzt noch zwei Bieter im Rennen: Die Namen – wie auch die der Ausgeschiedenen – werden vom Finanzministerium aus Sorge vor Schadenersatzklagen geheim gehalten. Dem Vernehmen nach gab es ein knappes Rennen zwischen der vom Land favorisierten Bam Group, einem der größten und mit ÖPP-Projekten vertrauten Baukonzerne Europas (Jahresumsatz rund sieben Milliarden Euro, 27 000 Beschäftigte), und dem Züblin-Konzern. Der soll bereits informiert worden sein, dass er den Kürzeren gezogen habe. Der Verlierer hat noch eine zweiwöchige Einspruchsfrist. Dann kann die formale Vergabe erfolgen.

Den Ausschlag gaben am Ende wohl vor allem die Finanzierungs- und Ausstattungskonditionen, da in der Architektur selbst beide Entwürfe „fast einhundert Prozent Knobelsdorff“ sind. Die Vorgaben, weitestgehend dem historischen Vorbild zu entsprechen, waren immer enger geworden. So hatte Anfang Januar 2009 eine hochkarätige Expertenjury aus Architekten, Denkmalpflegern und Politikern einen Siegerentwurf gekürt, der auch im Innenhof auf die historische Schlossfassade setzt, was vorher vom Potsdamer Verein „Mitteschön“ gefordert, aber als unfinanzierbar abgelehnt worden war.

Damals waren noch drei Bieter im Rennen, einer schied in der Folge aus. Abgesehen vom bis zuletzt spannenden Vergabe-Poker um einen öffentlichen Auftrag in dreistelliger Millionenhöhe sind die Würfel schon lange gefallen, wie der Schloss-Landtag aussehen wird: Damit das Parlament in den filigranen Knobelsdorff-Bau passt, sind die Ost-West-Seitenflügel etwas nach Innen verbreitert worden. Auch das Corps de Logis im Süden ragt – für den Plenarsaal – tiefer in den Hof hinein, soll aber das historische Treppenhaus enthalten.

Das Parlamentsgebäude, das das bisherige Provisorium in der früheren Kriegsschule und SED-Bezirkszentrale auf dem Brauhausberg ablöst, soll bis 2012 stehen. Es bietet nicht nur Platz für 88 Abgeordnete Brandenburgs, sondern für den Fall einer Länderfusion mit Berlin auch für 150 Abgeordnete eines gemeinsamen Parlamentes. Für die Übergangszeit zieht der Landesrechnungshof ein. Zurzeit finden am und um den Alten Markt bereits umfangreiche Vorbereitungen statt. So wird die gesamte Verkehrsführung an der Langen Brücke geändert.

Um den Wiederaufbau des Schlosses wurde seit 1990 in Potsdam erbittert gestritten. Einigung ist noch nicht in Sicht. So befürchtet die Linke-Opposition eine „Kostenexplosion“. Aus der CDU wird regelmäßig die „Intransparenz“ bei dem Projekt kritisiert, die das Finanzministerium wiederum mit den Regeln des ÖPP-Vergabeverfahrens erklärt. Im Wettlauf mit Berlin um den Aufbau der Stadtschlösser, die beide zu DDR-Zeiten zerstört wurden, hat Potsdam jedenfalls die Nase zur Zeit wieder vorn.

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