Potsdam : Risse im Fortunaportal

Aufregung um das von TV-Moderator Günther Jauch gespendete Fortunaportal auf dem Alten Markt in Potsdam: Das Bauwerk, an dem Risse aufgetaucht waren, muss stabilisiert werden.

Sabine Schicketanz
Das Fortunaportal in Potsdam.
Das Fortunaportal in Potsdam.Foto: ddp

Nachdem sich vor einigen Tagen Risse an dem Sandstein-Bauwerk gebildet hatten, kurz danach der Portalbogen mit Gerüstbaustangen und Mauersteinen massiv abgestützt wurde, gibt es Sorgen in der Stadt um den Zustand des Schloss-Eingangs. Das brandenburgische Finanzministerium - offiziell Bauherr neuen Landtages - bestätigte am Dienstag, dass das Fortunaportal derzeit stabilisiert werden muss. Es werde alles getan, um den einstigen Eingang zum Schlosshof in seinem "unveränderten Bauzustand" zu erhalten und keiner Gefahr auszusetzen, sagte Sprecherin Ingrid Mattern.

Der Bauträger, das Unternehmen BAM, setze alle verfügbaren technischen Mittel ein. So werde derzeit mit Hochdrucktechnik Beton in den Untergrund gespritzt. Alle Maßnahmen seien mit der Unteren Denkmalschutzbehörde abgestimmt und von ihr genehmigt. Es bestehe keine Gefahr für das Portal. BAM selbst gab bisher keine Auskunft zu den Vorgängen; die öffentliche Kommunikation liegt seit geraumer Zeit komplett beim Finanzministerium. Das 2002 fertig gestellte Portal, das als Initialzündung für den Schlossaufbau galt, geht auf eine Drei-Millionen-Spende von Jauch zurück. Dieser zeigte sich gestern völlig überrascht von den Vorgängen, von denen er in den "Potsdamer Neuesten Nachrichten" gelesen hatte. Weitere Informationen habe er auch nicht, sagte er - und übte Kritik an der Informationspolitik der BAM. "Grundsätzlich verstehe ich nicht, warum die BAM des Öfteren gar keine Auskunft gibt."

Unklar ist, was Auslöser für die Risse war. Nach Ansicht des Potsdamer Architekten Bernd Redlich, der seinerzeit den Wiederaufbau des Fortunaportals verantwortete, hat der Bauträger es versäumt, das Bauwerk rechtzeitig zu sichern. Die Risse gefährdeten das Portal nicht in seiner Substanz, seien aber "ärgerlich, man hätte sie vermeiden können". Bereits vor Beginn der Arbeiten für den Landtag habe der damals befasste Statiker davor gewarnt, dass die notwendige Grundwasserabsenkung für den Bau der Tiefgarage eine Gefahr für das Fortunaportal bedeuten könne. Redlich sagte, das Portal habe bei der Übergabe an das Land Anfang 2010 keine Risse gehabt; auch bei der Kontrolle vor Ablauf der Gewährleistungsfrist 2008 sei das Bauwerk in tadellosem Zustand gewesen.

Nunmehr zieht sich ein Riss direkt am Gesicht des Herkules vorbei, der den Portalbogen schmückt; weitere Risse sind am Kuppelbau zu erkennen. Er vermutet als Ursache ein ungleichmäßiges Absacken der Fundamente, etwa in Folge einer Grundwasserabsenkung. Dabei könnten Hohlräume unter dem aus dem 18. Jahrhundert stammenden gemauerten Fundament entstanden, Teile nach unten gesackt sein - die Folge seien Risse. Zuvor habe das Fortunaportal acht Jahre lang sicher gestanden; damit sei klar, dass das beim Wiederaufbau eingesetzte "Ergänzungsfundament", das den zu etwa 30 Prozent nicht mehr erhaltenen Teil des Fundaments ersetzen musste, haltbar und tragfest sei. "Daran liegt es nicht", so Redlich. Er bemängelte, dass die BAM an der Landtagsbaustelle das Fortunaportal weitgehend abgeriegelt habe. "Es ist ja alles geheim und verbarrikadiert." Um die Schäden zu beseitigen, müssten die entstandenen Hohlräume "verpresst", also aufgefüllt, und dann wieder geschlossen werden.

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