Potsdamer Landtag : Ein Schloss ohne Schmuck?

Die Entwürfe für den Potsdamer Landtagsneubau bleiben streng geheim – weshalb die Skepsis wächst. Ein neuer Streit um das 85 Millionen Euro teure Projekt droht.

Thorsten Metzner

In Potsdam soll nach dem Vorbild des berühmten Knobelsdorff-Stadtschlosses bis 2011 der neue Brandenburger Landtag gebaut werden. Aber jetzt droht neuer Streit um das 85-Millionen-Projekt, für das sechs Konsortien Architektur-Entwürfe eingereicht haben. Die Befürchtungen wachsen, dass auf dem Alten Markt nur moderne Allerweltsarchitektur mit Glas, Stahl und Beton entsteht. „Alle Entwürfe, die zu weit vom Grundsatzbeschluss des Parlaments abweichen, können keinen Zuschlag erhalten“, versicherte zwar Landtagspräsident Gunther Fritsch am Montag.

Auch Oberbürgermeister Jann Jakobs (beide SPD) nennt die Sorgen „unbegründet“. Trotzdem verdichten sich die Hinweise, dass keiner der Entwürfe die Knobelsdorffsche Originalfassade enthält. Vorgeschrieben ist sie lediglich für die Nordseite, zur Nikolaikirche hin. „Potsdam soll um sein Stadtschloss gebracht werden“, warnt Michael Schöne, Vorsitzender des Fördervereins für den Schlossaufbau. Auch die prominenten Potsdamer Günther Jauch und Wolfgang Joop, die sich für den Aufbau des Wahrzeichens engagieren, machen aus ihrer Sorge vor einer Verschandelung von Potsdams Mitte keinen Hehl.

Systematische Geheimniskrämerei

Das wachsende Misstrauen resultiert auch aus der systematischen Geheimniskrämerei. Bereits seit September liegen die Entwürfe der sechs Konsortien im Finanzministerium unter Verschluss. Selbst der aus Architekten besetzten Fachjury, die einen Sieger küren muss, werden die Pläne erst am 28. November präsentiert. Erst im Frühjahr 2008 soll der Zuschlag erteilt werden – ebenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Es laufe, wie das federführende Finanzministerium erklärt, ein förmliches Vergabeverfahren für einen öffentlichen Großauftrag, vergleichbar mit dem Bau des Flughafens BBI.

Sollte die geforderte Vertraulichkeit nicht mehr gewährleistet sein, so das Ministerium in einer Antwort an den Landtag, wäre das ein „ Vergabefehler“, der „das Vergabeverfahren gefährdet und nicht zuletzt auch Schadensersatzansprüche der Bieter auslösen kann“. Deshalb ist selbst die Liste der Konsortien geheim, die den neuen Landtag – über ein Leasingmodell – kaufen, bauen und anschließend dem Land vermieten wollen. Das ist für die großen Unternehmen lukrativ. Nach Tagesspiegel-Informationen haben sich die Konzerne Hochtief, Züblin/Strabag, die Deutsche-Bank-Tochter DIL, die ECE- Gruppe des Otto-Konzerns, die holländische Firma BAM sowie Bilfinger und Berger um den Landtagsbau beworben. Alle Konzerne stehen für moderne Vorhaben; lediglich die ECE-Gruppe hat das abgerissene Braunschweiger Stadtschloss als Einkaufszentrum wieder aufgebaut.

Brandenburgs Parlament hatte im Mai 2005 beschlossen, dass das Gebäude im Um- und Aufriss dem alten Stadtschloss entsprechen muss und die Außenfassaden sich „weitestgehend“ daran zu orientieren haben. CDU-Vizefraktionschef Wieland Niekisch warnte am Montag davor, den Parlamentsbeschluss zu unterlaufen. Er habe den Eindruck, dass Landtagspräsident und Finanzminister es „damit nicht so genau nehmen“. Niekisch verwies auf den geplanten originalgetreuen Bau des Berliner Stadtschlosses. „Es wäre ein Witz, wenn man in Berlin neben dem Staatsratsgebäude das Schloss baut – und in Potsdam statt des Schlosses ein Staatsratsgebäude.“

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