Potsdamer Schlössernacht : Comeback mit Tschaikowsky

Russland trifft Preußen: Ex-Botschafter Vladimir Kotenev lud zur exklusiven Potsdamer Schlössernacht. Es wurden rund 33.000 Besucher erwartet.

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In Feierlaune. Gastgeberehepaar Vladimir (re.) und Maria (Zweite von li.) Kotenev mit Thomas und Thea Gottschalk.
In Feierlaune. Gastgeberehepaar Vladimir (re.) und Maria (Zweite von li.) Kotenev mit Thomas und Thea Gottschalk.Foto: Eventpress Herrmann

Potsdam - In der Orangerie ließen prominente Gäste des Vorabendkonzerts der Potsdamer Schlössernacht, zu der dann am Sonnabend wieder 33 000 Besucher kamen, ein glanzvolles russisch-deutsches Feuerwerk der Kulturen ausklingen. Thomas Gottschalk saß da mit Frau Thea, Günther Jauch mit der ganzen Familie, die Designer Michael Michalsky und Jette Joop waren gekommen wie auch der Chef der Stiftung Schlösser und Gärten, Hartmut Dorgerloh, das Oberhaupt des Hauses Hohenzollern, Georg Friedrich Prinz von Preußen, Event-Unternehmerin Isa von Hardenberg und die Ex-Top-Politiker Lothar de Maizière und Michael Glos. Sie waren Gäste des neuen Geschäftsführers von Gazprom Germania, Vladimir Kotenev, der Sponsor des Konzerts war. Die Diplomatenuniform hat er abgelegt, den Titel Exzellenz aufgegeben. Aber der Charme, mit dem er und seine Frau Maria die Gäste begrüßen, ist geblieben und wird künftig wohl dem angeschlagenen Image von Gazprom zugutekommen.

Nach dem großen Abschiedsbahnhof im Frühsommer, mit dem Kotenev als populärer russischer Botschafter aus Berlin verabschiedet wurde, hat er sich mit Potsdam einen in vieler Hinsicht symbolhaften Ort fürs Comeback ausgesucht. Die Orangerie war einst als Gästehaus für Zar Nikolaus I. gebaut worden. Das vor 80 Jahren gegründete Tschaikowsky Symphonie-Orchester aus Moskau spielte am Neuen Palais mit großer Reinheit die Symphonie Nr. 5 und, wunderbar im lauen Mondlicht, auch Rachmaninoffs „Rhapsodie über ein Thema von Paganini“. Der kluge Jauch hatte ausgerechnet, dass Dirigent Vladimir Fedoseyev, seit 36 Jahren im Amt, „schon unter Breschnjew gespielt“ haben müsse. Und ja, er heize auch mit Gas. Gottschalk war eher da, weil man sich zufällig auf Sylt getroffen hatte: „Ich dachte, Rachmaninoff vorm Weltkulturerbe mit meiner Frau zu erleben – mehr kann man von einem Abend nicht erwarten.“ Er selber hat Zentralheizung. Manche Gäste hielten nach dem Konzert automatisch Ausschau nach den berühmten Pelmeni, aber der Botschaftskoch ist nicht mitgewechselt.

In der historischen Reitbahn hatte der Abend mit einem festlichen Empfang begonnen. Es gab feine Lachspiroggen und Entenborschtsch, und Kotenev übte sich souverän in seiner neuen Rolle als „Verkäufer“, wie er sagte. Sprach von seinen Gazprom-Töchtern in Zürich, London und Prag und von „den Enkeln in Houston und Singapur“, flocht geschwind ein paar Zahlen ein, 8 Milliarden Umsatz im letzten Jahr, 500 Millionen Gewinn. Und dass sie zu den größten Steuerzahlern Berlins zählen. Ob er sich künftig nicht doch lieber als Topmanager bezeichnen möchte? Er nickt. Freilich beginnt nun der Drahtseilakt. Ex-Bundeswirtschaftsminister Glos weiß, dass Gas derzeit im Überfluss vorhanden ist und deshalb die Imageschäden aus den Zeiten, als Knappheit als Druckmittel ausgenutzt wurde, dringend repariert werden müssen.

Kotenev werde sicher viele Sponsoring-Anfragen bekommen, prophezeite eine Dame der Gesellschaft. An einem Konzept werde schon gearbeitet, antwortet jener gelassen.

Mit alten Partnern wie BMW-Chef Hans-Reiner Schröder schmiedet er schon neue Pläne. Der am häufigsten variierte Satz des Abends im illuminierten Park Sanssouci: „Freundschaft ist unabhängig von Positionen.“

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