Der Tagesspiegel : Potsdamer Schloss: Euphorie bekommt erste Dämpfer

Michael Mara/Thorsten Metzner

Schloss-Euphorie in Potsdam: Seit der Beirat für die Potsdamer Mitte ein konkretes Nutzungskonzept vorgelegt hat, um das Stadtschloss als künftigen Landtag von Berlin-Brandenburg aufzubauen, hört man viele begeisterte Stimmen: Oberbürgermeister Matthias Platzeck schwärmt, ein Landtags-Schloss könne "eine Anziehungskraft wie der Reichstag in Berlin" haben. Die Pläne seien bestechend, so Platzeck. Landtagssprecher Jürgen Itzfeld hält die Idee für "so toll, dass sie nicht an den Kosten scheitern wird". Rathaus-Parteien jubeln, es könnten zwei Fliegen "mit einer Klappe" geschlagen werden: Man bekomme Schloss und Landtag zugleich.

Jetzt melden sich erstmals auch die Skeptiker und Kritiker zu Wort, und zwar nicht nur von der PDS, die seit Anbeginn ein gestörtes Verhältnis zu den Wiederaufbauplänen hatte. Bauminister Hartmut Meyer (SPD) hält einen Landtag auf dem Alten Markt für falsch: "Er wird Potsdams tote Mitte nicht beleben können", betont Meyer. Denn von Freitagabend bis Montagfrüh, in den Parlamentsferien "wäre dort alles leer". Grundsätzlich begrüßt Meyer jedoch, dass die Verfasser den bisherigen Plänen für eine lupenreine Schlosskopie eine Absage erteilt hätten: Er habe immer den Standpunkt vertreten, dass diese mit modernen Funktionen nicht vereinbar sei. So sollten die engen Schlossflügel breiter und höher werden.

Mit seiner Ansicht steht Meyer nicht allein. Zwar hatte Regierungschef Manfred Stolpe dem Landtag vor einigen Monaten empfohlen, die unzumutbare "Bruchbude" auf dem Brauhausberg aufzugeben. Den Alten Markt als möglichen Parlamentssitz - seit 1990 in der Diskussion - hat Stolpe im Gegensatz zu Platzeck jedoch immer kritisch gesehen. Im Landtag wird außerdem darauf verwiesen, dass angesichts des angespannten Landeshaushaltes die Kosten nicht unterschätzt werden dürfen. Tatsächlich würde ein Landtagsneubau an anderer Stelle in der Stadt - in der Diskussion sind noch die Standorte Speicherstadt und Nuthewiesen - etwa 150 bis 180 Millionen Mark kosten. Für den Schlossaufbau, der nur in Teilen der Außenfassade nach dem historischen Vorbild erfolgen soll, werden hingegen schätzungsweise 260 bis 280 Millionen Mark benötigt.

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