Potsdamer Stadtschloss : Der zweite Traum vom Schloss

Nach einer Großspende müssen die Bewerber für den Neubau des Landtags ihre Entwürfe umplanen – mit rundherum historischer Fassade.

Thorsten Metzner

PotsdamDas Land Brandenburg nimmt jetzt erneut Anlauf, einen Investor für den Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses, des künftigen Sitzes des Landtages, zu finden. „Die Bieterkonsortien sollen noch im Mai die präzisierten Aufgaben und Vergabeunterlagen erhalten, wenn diese vom Landtagspräsidium gebilligt worden sind“, erklärte Finanzminister Rainer Speer (SPD) gestern dieser Zeitung. Die Präsidiumssitzung, auf der dies geschehen soll, ist für Mittwoch vorgesehen. Die juristischen und finanziellen Risiken im Vergabeverfahren hält Speer für beherrschbar: „Nichts ist ohne Risiko. Man darf das nicht überbewerten.“

De facto startet mit den bisherigen sechs Bieterkonsortien, die im Vorjahr aus elf Bewerbern in die engere Wahl genommen worden waren, eine Neuausschreibung für das wichtigste Hochbauprojekt des Landes. Nötig und möglich wurde dies infolge der 20-MillionenEuro-Spende von SAP-Gründer Hasso Plattner, durch die das künftige Parlamentsgebäude auf dem Alten Markt doch noch die historische Knobelsdorff-Fassade des in den fünfziger Jahren gesprengten Stadtschlosses erhalten soll. Um den Wiederaufbau war in Potsdam seit 18 Jahren gestritten worden. Der Landtagsneubau mit Stadtschlossfassade war vor wenigen Wochen im Parlament von der SPD/CDU-Koalition gegen die Stimmen der Links-Opposition beschlossen worden.

Ein erster Anlauf des Vergabeverfahrens war 2007 gescheitert. Zwar sollten sich die Konsortien schon damals bei ihren Planungen in Grundriss, Form und Fassade am früheren Stadtschloss orientieren. Die Originalfassade war aber lediglich für die Nordseite am Alten Markt vorgegeben, dort, wo bereits durch eine Spende des TV-Moderators Günther Jauch das Fortunaportal steht. Trotzdem waren die im September 2007 von den Konsortien eingereichten und nie veröffentlichten ersten Architekturentwürfe ein Desaster. „Es wäre eine Bausünde wie das Potsdam-Center geworden“, hieß es aus der Experten-Jury, die diese Pläne bewertet hatte. Selbst der zurückhaltende Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) erinnerte jetzt in einem Brief ans Präsidium an das damalige Beinahe-Fiasko, das durch die Plattner-Spende abgewendet worden war. Von den damaligen Entwürfen, so Fritsch, „vermochte keiner in gestalterischer Hinsicht zu überzeugen“.

Mit den jetzt präzisierten Vorgaben stehen die Konsortien vor der kniffligen Aufgabe, ihre Planungen „historisch“ nachzubessern – wobei sie wegen der Mehrkosten statt mit bisher 85 Millionen Euro künftig mit 120 Millionen Euro kalkulieren dürfen. Neben der Plattner-Spende sind 15 Millionen Euro dazugekommen, um die das Land seinen Anteil wegen steigender Baupreise aufgestockt hat. Konkret ist nunmehr für die gesamte Außenfassade – im Innenhof aus Kostengründen nicht – das historische Original vorgegeben. Das zwingt die Architekten, hinter den drei hohen Schlossgeschossen der Außenfassade im Inneren klug und praktikabel vier moderne Landtagsetagen mit üblichen Raumhöhen unterzubringen. Sonst würden in das „dicke Haus von Potsdam“ (Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe) nicht Büros für 88 Abgeordnete und ein großer Plenarsaal passen, der bereits für 150 Abgeordnete eines möglichen gemeinsamen Parlamentes von Berlin-Brandenburg ausgelegt ist. Der Plenarsaal soll im südlichen Kopfbau an der Langen Brücke untergebracht werden, der deshalb zehn Meter tiefer in den Hof ragen darf als beim historischen Vorbild. Außerdem sollen die Seitenflügel des „Landtagsschlosses“ gegenüber dem Barockoriginal um drei bis fünf Meter verbreitert werden.

Mit Spannung wird erwartet, wie die Konsortien mit den nachträglichen Vorgaben umgehen. In einem Bericht an den Landtag hatte Speer nach vertraulichen Gesprächen mit den Konsortien schon im März 2008 mitgeteilt, dass „die Mehrzahl der Teilnehmer“ sich „nur unter bestimmten Voraussetzungen“ am weiteren Verfahren beteiligen will. Die Rede war von „vergaberechtlichen Bedenken“ und von Zweifeln „an der Vereinbarkeit von Funktionalität und Wirtschaftlichkeit mit dem Wiederaufbau einer dreigeschossigen historischen Fassade“. Denn die Konsortien bewerben sich nicht nur um den Bau des neuen Landtages, sondern über ein Mietkauf-Modell in „öffentlich-privater Partnerschaft“ mit einer Laufzeit von 30 Jahren auch um seine Bewirtschaftung.

Der Fahrplan für den Landtagsneubau sieht laut Speer so aus: Vor der Sitzung des Präsidiums am Mittwoch können dessen Mitglieder ebenso wie die Abgeordneten des Landtags-Baubeirats noch Einblick in die vertraulichen Vergabeunterlagen nehmen. Bis Herbst sollen die Konsortien Entwürfe für einen Landtag mit Schlossfassade liefern, so dass voraussichtlich im Dezember eine Fachjury namhafter Architekten eine Empfehlung abgeben kann. Finanzminister Speer geht davon aus, „dass Mitte 2009 der Zuschlag vergeben wird“, wer den Stadtschloss-Landtag bauen darf. Baubeginn ist für Ende 2009 vorgesehen. Speer: „Der neue Landtag kann Ende 2012 fertig sein.“

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