Der Tagesspiegel : Potsdamer Stadtschloss: Die Spur der Steine

Das Stadtschloss am Alten Markt wurde in den Jahren 1745 bis 1751 nach den Plänen des preußischen Architekten Georg Wenzeslaus Knobeldorff aus rötlichem Sandstein erbaut. Es galt als eines der bedeutendsten Bauwerke friderizianischen Rokokos. Das Gebäude wurde bei einem Bombardement am 14. April 1945 stark beschädigt; von einem Abriss war aber zunächst nicht die Rede. Erst 1959/60 wurde das Schloss im Zuge der Beseitigung von "Relikten des preußischen Militarismus" - wie es in der Sprache der SED hieß - doch gesprengt. In Potsdams Mitte sollte Platz für den Aufbau einer sozialistischen Großstadt geschaffen werden. Trotz zahlreicher Proteste im In- und Ausland wurde der Schuttberg in den Jahren 1959 und 1960 abgetragen. Die Lange Brücke, wichtigste Verbindung zwischen Hauptbahnhof und der Innenstadt, wurde extrem erweitert. An der südöstlichen Ecke des Stadtschlosses beginnt seitdem eine vielspurige Verkehrsschneise für Autos und Straßenbahnen.

Kurz bevor das Schloss gesprengt wurde, ließ die Stadt einige der wertvollsten Figuren von der Balustrade, einige Säulenkapitelle sowie zwei Reliefs bergen. Tausende wertvoller Fragmente von Skulpturen und Bauteilen des Stadtschlosses fand man im vergangenen Jahr beim Abriss des Thälmann-Stadions; für den Bau der Haupttribüne waren Trümmer aus dem zweiten Weltkrieg verwandt worden. An einigen Stellen stehen noch Originalteile des alten Schlosses: am Havelufer 17 Säulen mit vier Skulpuren und an der Langen Brücke die Neptun-Plastik. Auch die acht Attika-Figuren auf dem Gebäude der Berliner Humboldt-Universität stammen vom Potsdamer Stadtschloss.

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