Der Tagesspiegel : Potsdamer Stadtschloss: Königlich wohnen - königlich tagen

Thorsten Metzner

Oberbürgermeister Matthias Platzeck (SPD) will am kommenden Montag den Rathausfraktionen die mit Spannung erwartete Studie zum Aufbau des Potsdamer Stadtschlosses vorstellen. Der Tagesspiegel hat die beiden Empfehlungen des verwaltungsinternen Gutachtens der Unternehmensberatung Arthur Andersen in der vergangenen Woche veröffentlicht. Da das Interesse an weiteren Einzelheiten groß ist, dokumentieren wir alle untersuchten Schloss-Varianten.

Grafik:
Alter Markt - Skizze

Vorschlag 1: "Palais Royal" mit Schlossfassade. Königlich wohnen? Potsdams Schloss könnte als "Palais Royal" errichtet werden - nach dem gleichnamigen Pariser Vorbild eines prominenten Bauwerks von Louis XIV. Das Schloss als Wohnhaus zu nutzen ist eine der beiden Empfehlungen des Andersen-Gutachtens. Da diese Lösung die einzige wäre, bei der das Schloss in historischer Hülle entstünde, gilt sie als Favorit. Im Ost- und Westflügel würden "Stadthäuser" mit Wohnungen untergebracht. Das südliche Hauptgebäude könnte eine "museumsartige Nutzung" aufnehmen. Die Baukosten würden bei 260 Millionen Mark liegen. Davon müssten 105 Millionen Mark durch öffentliche Förderung aufgebracht werden, um den Bau wirtschaftlich rentabel zu machen. Trotz der hohen Summe ist es die Lösung, die mit den wenigsten Fördermitteln auskäme und die verglichen mit einem Kongresszentrum und seinem "stoßartigen" Betrieb mehr Leben auf den Alten Markt brächte. Ein Nachteil wäre der ausbleibende wirtschaftliche Impuls, den ein Kongresszentrum brächte. Welcher Art das Museum sein könnte, ist unklar; ebenso die Höhe seiner Betriebskosten.

Vorschlag 2: Modernes Hotel-KongressZentrum. Potsdams Stadtmitte wäre nach der Marktanalyse Andersens ein "hervorragender" Standort für ein Kongresszentrum mit 1000 Plätzen und einem Vier-Sterne-Hotel mit 300 Zimmern. Das Gutachten kommt bei dieser Lösung, der gleichberechtigten Empfehlung neben dem "Palais Royal", zu dem Fazit: Für ein Hotel-Kongresszentrum wären moderne Fassaden zwingend. Auch eine "vollständige Überbauung des historischen Innenhofes" wäre "notwendig". Eine große Tiefgarage würde die Reste des alten Schlosses zerstören. Die Baukosten lägen bei 358 Millionen Mark, davon müssten 206 Millionen Mark aus öffentlichen Kassen kommen. Der entscheidende Vorteil wäre der wirtschaftliche Effekt durch auswärtige Kongress-Teilnehmer und Gäste des Hotels.

Vorschlag 3: Nutzung als Kongresszentrum ohne Hotel. Bei dieser vom Gutachten verworfenen Alternative sollte das Stadtschloss mit moderner Fassade lediglich ein Kongresszentrum und Büros beherbergen, während das aufgebaute Palais Barbarini nebenan das Domizil eines Vier-Sterne-Hotels wäre. In den Torhäusern des Fortuna-Portals wäre ein "Science Center" - eine wissenschaftliche Begegnungsstätte, für die es erste Pläne gibt - untergebracht. Die Baukosten lägen zwischen 109 bis 159 Millionen Mark für das Schloss plus 133 Millionen Mark für das Hotel. Eine öffentliche Förderung in Höhe von 182 Millionen Mark wäre nötig. Der entscheidende Nachteil wäre das Abweichen vom historischen Grundriss.

Vorschlag 4: Hotel ohne Kongresszentrum. Es würde ein viergeschossiger Hotelneubau mit moderner Fassade auf dem Grundriss des Stadtschlosses errichtet. Der Innenhof würde geringfügig am Südportal für zentrale Hotel-Funktionen überbaut. Das Kongresszentrum mit einem zusätzlichen Büroriegel würde als Sechsgeschosser am Barbarini-Standort entstehen. Die Baukosten lägen zwischen 111 Millionen und 133 Millionen Mark für das Hotel-Schloss und für das Kongresszentrum bei 128 Millionen Mark. 186 Millionen Mark bis 215 Millionen Mark müssten aus öffentlichen Kassen kommen. Das Gebäude würde vom historischen Grundriss abweichen.

Weitere Vorschläge: Museum / Landtag. Die Andersen-Gutachter haben viele Varianten des Potsdamer Schlossaufbaus und der Gestaltung des Alten Marktes durchgespielt. So wurde die Alternative verworfen, für das Hotel- und Kongresszentrum das benachbarte Gelände der jetzigen Fachhochschule (sie ist abrissreif und gilt als Bausünde) zu nutzen, was jedoch noch einmal geprüft werden soll. Es gab auch immer wieder in Potsdam diskutierte Ideen, im Stadtschloss eine Spielbank oder auch den Brandenburger Landtag unterzubringen. Die Spielbank wird inzwischen einen Steinwurf vom Alten Markt entfernt im früheren Claudius-Club gebaut. Der Neubau eines Landtages dagegen liegt seit Jahren auf Eis. Zwar gab Landtagspräsident Herbert Knoblich den Gutachtern die Auskunft, dass der Schloss-Standort "nicht weiter verfolgt wird". Andersen hält eine Ansiedlung des Landtages am Alten Markt dennoch für sinnvoll. Doch geht das Gutachten auch bei der entsprechenden Variante, im Stadtschloss ein Museum, den Landtag oder ein Wissenschaftszentrum unterzubringen, von modernen Fassaden aus. Ein Hotel- und Kongresszentrum oder Wohnungen und Büros würden in diesem Falle im Komplex Barbarini am Ufer errichtet. Die Baukosten für ein Schloss mit moderner Fassade lägen bei 150 Millionen Mark. Bemerkenswert ist ein Nebensatz im Text des Gutachtens: "Mehrkosten für historische Nachbildung der kompletten Fassaden und des Daches: 70 Millionen Mark". Das Palais Barbarini für Wohnen und Büros oder ein Hotel- und Kongresszentrum herzurichten, würde 80 bis 128 Millionen Mark kosten. Fördergelder in Höhe von 177 Millionen Mark bis 192 Millionen Mark wären nötig. Diese Lösung wäre kein tragfähiges Konzept für den Aufbau des Schlosses, da die Nutzungsmöglichkeiten wenig durchdacht und willkürlich scheinen. Außerdem könnte ein Kongresszentrum im Palais Barbarini das für eine Vermarktung nötige positive Image des Schlosses nicht nutzen. Lediglich eine "Option der vollständigen Rekonstruktion des Stadtschlosses" bliebe bestehen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar