Der Tagesspiegel : Potsdamer Stadtverwaltung startet Aktion gegen Graffiti

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Potsdam Die Stadt Potsdam will ab Mitte August stärker gegen Graffiti vorgehen. Sieben Langzeitarbeitslose sollen dafür mit Bundes- und Landesmitteln Arbeitsstellen erhalten und binnen zehn Monaten alle Schmierereien im Stadtbild per Digitalkamera erfassen und katalogisieren. Anschließend wird nach Rücksprache mit dem Eigentümer ein entsprechender Reinigungsauftrag an eine Fachfirma erteilt. Das Projekt „Graffitifreie Stadt – Sauberes Potsdam“ wurde gestern von der Beigeordneten für Ordnung und Umweltschutz Elona Müller vorgestellt.

„Der Illusion, alle Graffiti würden verschwinden, sollte man sich nicht hingeben“, sagte Jens Bödeker vom Architekurbüro E.f.e.u. Der Landschaftsarchitekt war bereits an einem ähnlichen Projekt in Brandenburg/Havel dabei und bereitete das Konzept für Potsdam mit vor. Vor allem solle auf neue Schmierereien schnell reagiert und der Polizei geholfen werden. Jedes neue Graffiti soll sofort zur Anzeige gebracht werden. Wurden im vergangenen Jahr 658 Delikte im Potsdamer Stadtgebiet bei der Polizei registriert, dürften die Anzeigen nun steigen, erwarten die Projektentwickler.

Illegalen Sprayern droht bereits seit Anfang Juli eine intensivere Verfolgung als bisher. Mit der vom Bundestag beschlossenen Verschärfung der Gesetze kommt es nun nicht mehr darauf an, dass durch das Sprayen die Gebäudesubstanz geschädigt wird. Schon die Schmiererei selbst kann strafbar sein. Damit wurde bundesweit eine seit 1999 in der Diskussion stehende Änderung umgesetzt, die die Landesregierung Brandenburgs in diesem Jahr im Alleingang auf den Weg bringen wollte.

Der Schaden durch Graffiti an den Häusern ist laut der Beigeordneten Elona Müller aber nicht nur materiell. Die Reinigungskosten von sechs bis 15 Euro pro Quadratmeter Putzfläche seien im Vergleich zur Außenwirkung beschmierter Flächen auf Touristen eher gering. Durch Graffiti werde vor allem dem Ansehen der Stadt geschadet. Die Reinigungsaktion soll daher von der Innenstadt nach außen erfolgen. Eine entsprechende Prioritätenliste liege bereits vor.

Bekannteste Beispiele für Graffiti-Vandalismus in Potsdam waren die Schmierereien am Schloss Sanssouci oder den Torhäusern an der Freundschaftsinsel. Auch die barocke Innenstadt ist ständigen Attacken der Sprayer ausgesetzt. Zuletzt wollte sich der CDU-Ortsverband Innenstadt Nord für eine Videoüberwachung der Brandenburger Straße einsetzen, um Sprayer abzuschrecken oder identifizieren zu können. Das Projekt „Graffitifreie Stadt“ wird von der AG Innenstadt, einem Zusammenschluss der Innenstadthändler, unterstützt. „Ich werde die Mitglieder zur Mitarbeit auffordern“, sagte der AG-Vorsitzende Wolfgang Cornelius.

Probleme bei der Umsetzung zur Reinigung sieht Müller aber bei Häusern, deren Eigentümer nicht bekannt sind, die sich wenig um ihr Eigentum kümmern oder denen mehrmalige Reinigungen zu teuer werden. Daher soll langfristig ein „Opferfonds“ gegründet werden, aus dessen Mitteln Reinigungsarbeiten finanziert werden. PNN

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