Der Tagesspiegel : Potsdamer virtuell auf hoher See

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Potsdam. Ein bisschen Gischt spritzte sozusagen auch immer in die Werkshalle von Bab Ikon, dem Schließanlagenhersteller aus Potsdam und Tochterunternehmen des schwedischen Konzerns Assa AB. Dessen blau-gelbe Werksyacht „Assa Abloy“ nämlich segelte beim größten Segelrennen der Welt, dem „Volvo Ocean Race“ rund um den Globus – und auf dem Segel trug sie das Potsdamer Firmenemblem. Deshalb versammelten sich die 126 Mitarbeiter täglich bei Schichtbeginn in der Halle an der Behlertstraße und guckten, was ihr Boot gerade erlebte. Eisberge, Windhosen, Seegang und die Konkurrenz immer in Sicht. Trotzdem meist gute Nachrichten, die „Assa Abloy“ galt als Favorit auf den Sieg.

Die Informationen über Position und Route kamen per Computer ins Werk, decodiert wurde das Segel-Chinesisch von Angela Felsch (Konstrukteurin) und Wilfried Brose (Vertriebsleiter), den Hobby-Seglern der Belegschaft. Broses Begeisterung für die Regatta ging sogar so weit, dass er gestern in Kiel am Kai stand, wo Mitarbeiter von Bab Ikon die Crew nach dem Zieleinlauf betreuen. Er wollte der Yacht in echt zujubeln, nachdem er und seine Kollegen bisher nur virtuell „mit den Seglern auf unserer Assa Abloy mitgefiebert“ haben, wie er sagt.

119 Tage lang ein gemeinsamer Blick auf die Yacht, Göteborg, Southhampton, Kapstadt, Sydney, Rio de Janeiro, Miami und zuletzt Kiel – das hat das Team in Potsdam zusammengeschweißt. Und das sei auch der Zweck des Ganzen gewesen, wie es heißt. So haben die Mitarbeiter auch ihr Logo 119 Mal bestaunen dürfen – wie es sich ruhmvoll und schnittig den Weg durchs salzige Meer erkämpfte, harte Männer, toughe Frauen, starke Leistung, tolle Schließanlagen. Das motiviert. Die „Assa Abloy“ raste bis zum Schluss in der Spitzengruppe über die Weltmeere, musste sich am Ende aber der deutschen „Illbruck“ geschlagen geben.

Trotzdem Jubel. Und vielleicht ein paar Tipps? Wilfried Brose winkt ab. Er pütschert mit seinem Kielboot auf dem Oberen Templinsee und dem Schielowsee herum. Da helfen keine Ratschläge von Hochsee-Bezwingern wie „Assa Abloy“-Kapitän Neil McDonald und seiner Crew. „Das ist eine andere Dimension und hat mit unserem Freizeitsegeln nichts zu tun", bescheidet sich Brose, der einer Wiederholung des kollektiven Boat-Watchings unbedingt den Vorzug vor einem Grillfest mit der Belegschaft geben würde. Die „Assa Abloy“ hat im Werk Gemeinschaftssinn gestiftet – und dabei den ersten Platz gemacht. Dieter Brookmann

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