Der Tagesspiegel : Potsdams teurer Spaß

Für das Freizeitbad auf dem Brauhausberg hat Stararchitekt Oscar Niemeyer einen Entwurf geliefert, der die Finanzplanung sprengt

Claus-Dieter Steyer

Potsdam – Der Traum von einem Freizeitbad mit vielen Attraktionen und einer modernen Halle für Schwimmwettkämpfe könnte für Potsdam eine Nummer zu groß ausfallen. Die bislang veranschlagten Baukosten von 31,5 Millionen Euro jedenfalls dürften nach dem gestern vorgestellten Entwurf kaum reichen. „Wir sind begeistert von den Plänen des Stararchitekten Oscar Niemeyer“, sagte Peter Paffhausen, Geschäftsführer der mit der Bauorganisation beauftragten Stadtwerke Potsdam. „Aber jetzt beginnt das Rechnen.“ In zwei Wochen wolle er dem Stadtparlament neue Zahlen vorlegen, um die Finanzierung des Projektes auf dem Brauhausberg gegenüber dem Potsdamer Hauptbahnhof zu sichern.

Potsdam allein kann das Geld nicht aufbringen. 80 Prozent der bisher im Gespräch befindlichen 31,5 Millionen Euro sollten aus dem Brandenburger Haushalt und von der EU kommen. Finanzminister Rainer Speer (SPD) blockte mögliche Nachforderungen ab: „Die Größe der Fördermittel ist nach oben hin nicht beliebig dehnbar.“

Der 97-jährige Brasilianer Oscar Niemeyer hat offensichtlich äußerst großzügig geplant, um Potsdam ein „Kunstwerk der Architektur“ zu bieten, wie er in einer Videobotschaft aus Rio de Janeiro erklärte. Die bebaute Fläche soll bei 42 000 Quadratmetern liegen. Ein Vergleich mit dem ursprünglich in Potsdam-Drewitz geplanten Freizeitbad zeigt die Dimensionen: Private Investoren wollten hier ein 9000 Quadratmeter großes Projekt für etwas mehr als 20 Millionen Euro bauen. Doch die Stadt erteilte diesen Plänen eine Absage, weil es keine gesicherten Aussichten auf Fördermittel gab. „Potsdam braucht einen faszinierenden Anziehungspunkt für neue Gäste und eine Wettkampfstätte zugleich“, begründete Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) gestern noch einmal den anvisierten Neubau auf dem Brauhausberg. Dieses Ziel habe besondere Anforderungen an die Architektur gestellt, die nur ein Star der Branche erfüllen könnte. Die ersten Kalkulationen gehen von mindestens 300 000 Besuchern jährlich aus. Ein großer Teil davon soll aus Berlin kommen. Joao Niemeyer, Neffe des Architekten, versprach in seiner Präsentation eine „bauliche Überraschung“: Die Gäste würden im Eingangsgebäude ein Panoramacafé, einen Fitnessbereich, Geschäfte und Ausstellungsräume finden. Unterirdisch befänden sich die Garderoben, wo überdachte Wege zu vier verschiedenen Badebecken und einem Restaurant beginnen würden.

Die einzelnen Becken mit bis zu 20 Meter hohen Kuppeln sollten verschiedene Interessen erfüllen. So ist ein Wellenbad geplant, eines mit langen Rutschen, ein Gesundheitsbad mit heilender Sole. Auch Außenbecken und Liegewiesen fehlen nicht. Für Freizeit- und Leistungssportler ist ein separates 50-Meter-Schwimmbecken mit acht Bahnen und Zuschauertribünen gedacht. Die bisherige Schwimmhalle wird dafür abgerissen. „Wir haben bewusst die Hanglage des Brauhausberges genutzt“, sagte Joao Niemeyer. „Potsdam kann sich wirklich über diesen Entwurf meines Onkels freuen.“

Ob er allerdings tatsächlich wie geplant schon ab Ende des Jahres verwirklicht wird, hängt nicht nur vom Geld ab. Möglicherweise verzögert ein Rechtsstreit den Baubeginn. Zwei bei der Ausschreibung der Ausführungsplanung des Niemeyer- Entwurfs unterlegene Architektenbüros haben Widerspruch gegen das Vergabeverfahren eingelegt. Sie vermuten eine einseitige Bevorzugung des Ausschreibungsgewinners. Nun muss die Vergabekammer des Wirtschaftsministeriums die Einsprüche prüfen. „Hoffentlich gelingt uns eine außergerichtliche Einigung. Ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht dauert wahrscheinlich zu lange“, sagte Stadtwerke-Chef Paffhausen. „Wir können uns höchstens eine Verzögerung von einem Vierteljahr leisten – sonst verfallen die Fördermittel der EU.“ Diese Gelder müssen bis Ende 2007 abgerufen werden. Und das Niemeyer-Bad muss fertiggestellt sein.

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