Präsdientenbesuch : Ahmadinedschad als "Freund und Helfer" nach Afghanistan

Den USA ist er verhasst, in Afghanistan sprechen sie lobend über die Rolle, die sein Land beim Wiederaufbau spielt: Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad reist diese Woche nach Kabul, um den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai zu treffen.

Farshid Motahari[dpa]
Ahmadinedschad
Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad -Foto: AFP

TeheranDie scharfe Kritik der USA an der iranische Rolle im Irak oder im Libanon ist in politischen Kreisen Teherans durchaus nachvollziehbar. Auf völliges Unverständnis stoßen dagegen Beschuldigungen aus Washington zum Verhalten der Islamischen Republik im Nachbarland Afghanistan. "Dort agieren wir als Freund und Helfer", sagt Teherans Außenamtssprecher Mohammad-Ali Hosseini. Die Reise von Präsident Mahmud Ahmadinedschad nach Kabul an diesem Dienstag zum Treffen mit seinem afghanischen Amtskollegen Hamid Karsai soll diese Rolle unterstreichen.

Teheran hat wiederholt US-Vorwürfe vehement zurückgewiesen, die radikal-islamischen Taliban in Afghanistan zu unterstützen. Die Beziehungen zu den einstigen Machthabern gelten alles andere als freundlich. 1998, als die muslimischen Extremisten noch in Kabul regierten, standen die Nachbarn sogar kurz vor einem Krieg. Grund war damals der Mord an neun iranischen Diplomaten und eines Korrespondenten der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA durch Taliban-Kämpfer in Masar-i-Scharif. Die Vereinten Nationen schalteten sich ein und konnten schließlich eine militärische Konfrontation
abwenden.

Rice widerspricht Karsais Lob für Iran

Karsai hatte erst kürzlich vor seinem Staatsbesuch bei US-Präsident George W. Bush die positive Rolle des Iran in seinem Land unterstrichen. Das stieß auf Widerspruch von US-Außenministerin Condoleezza Rice. "Es ist ja schon ein merkwürdiges Novum, dass Besatzer die Einschätzung des Staatsoberhaupts vom besetzten Land über ein Nachbarland widersprechen", kommentierte Irans Ex-Präsident Akbar Haschemi-Rafsandschani ironisch. "Karsai sollte dies in der Tat besser wissen als die Amerikaner", befand ein westlicher Diplomat in Teheran.

Teheran und Kabul verbindet seit Jahrzehnten auch ein gewaltiges Flüchtlingsproblem. In den achtziger Jahren strömten über zwei Millionen Afghanen nach der Invasion der damaligen Sowjetunion in Iran. Bald drei Jahrzehnte danach lebt fast die Hälfte von ihnen meist illegal noch immer in Iran. "Schon alleine wegen der über 900.000 noch verbliebenen Flüchtlinge will Iran baldigen Frieden und Stabilität in Afghanistan", sagt ein UN-Mitarbeiter in Teheran. Die Afghanen gelten in Iran als billige Arbeitskräfte. Deshalb sind sie nach iranischer Sicht auch ein wesentlicher Grund für die hohe Arbeitslosigkeit unter Iranern.

"Iran und Deutschland haben ihre Versprechen wahr gemacht"

Für Iran, der während der Taliban Herrschaft offen die Opposition unterstützt und vielen Gegnern der radikalen Islamisten auch Exil gegeben hatte, war Karsai als Staatsoberhaupt wegen seiner Nähe zu den USA und westlichen Haltung nicht der Wunschkandidat gewesen. Aber seit seiner Ernennung in 2001, hat es seitens Teheran auch nie Misstöne gegen ihn gegeben.

Die Nachbarstaaten haben enge wirtschaftliche Beziehungen. "Iran und Deutschland haben ihre wirtschaftlichen Versprechen im Aufbauprozess wahr gemacht. Von vielen anderen westlichen Ländern kann man das weniger sagen", meint ein afghanischer Diplomat in Teheran.