Der Tagesspiegel : Pralinen à la Spreewaldbitter

Wie ein belgisches Paar in der Lausitz erfolgreich Schokolade produziert

Dana Trenkner

Hornow - Einst roch es hier nach Eintopf und Kartoffeln, jetzt hängt ein schwerer, süßer Duft in der ehemaligen LPG-Küche. Peter Bienstman schiebt sich zielsicher durch das hektische Gewühl aus Chocolatiers, vorbei an Schokoladenformen, Spritztüten, fertigen Pralinen und Bestelllisten. Die 37 Mitarbeiter der „Confiserie Felicitas“ müssen sich ranhalten, um die ständig steigende Nachfrage nach ihren handgefertigten belgischen Schokoladenspezialitäten zu bewältigen. „Wir kommen mit der Produktion kaum nach“, sagt Bienstman.

Zusammen mit seiner Frau Goedele Matthyssen betreibt Bienstman seit 1992 die kleine Schokoladenfabrik im südbrandenburgischen Dörfchen Hornow, zwischen Cottbus, Forst und Spremberg. Allein im vergangenen Jahr stiegen die Umsätze der Confiserie um fast ein Viertel, sagt Bienstman. Rund eine Million Euro Jahresumsatz habe das Unternehmen 2003 erzielt. Das Erfolgsgeheimnis des belgischen Ehepaars: „Wir haben eine Marktlücke gesucht und gefunden.“ Im Gegensatz zu großen Schokoladenfabriken könnte die Confiserie flexibler auf Kundenwünsche reagieren „und öfter mal etwas Neues ausprobieren“.

Das Ehepaar hat seine eigenen Kreationen entwickelt: So gibt es typisch belgische Pralinen zum Beispiel statt mit Antwerpener Kräuterlikör mit Spreewaldbitter gefüllt. Heute liefert die Confiserie über 700 verschiedene Schokoladenartikel an fast 500 Fachgeschäfte, Cafés und Restaurants. Prominentester Kunde: das KaDeWe in Berlin. Reiseunternehmer haben die Schokoladenfabrik längst als Sehenswürdigkeit entdeckt: Bis zu vier mit Touristen besetzte Busse halten täglich vor dem Fabrikverkauf. Gerade erst haben Matthyssen und Bienstman am schmucken Produktionsgebäude in Hornows Dorfmitte wieder angebaut.

Es ist nicht gerade der typische Lebenslauf eines Brandenburger Unternehmerpaars: Aufgewachsen im belgischen Leuwen, unweit von Brüssel, gingen die beiden in den 80er Jahren als Entwicklungshelfer nach Nigeria. „Wir wollten etwas bewegen“, sagt Bienstman, „raus aus der belgischen Begrenztheit“. Nach fünf Jahren in der Weite Afrikas sei eine Rückkehr in die Kleinstadt nicht mehr in Frage gekommen. „Nach dem Fall der Mauer reizte uns Ostdeutschland.“ Also reisten sie 1991 durch die neuen Länder, wo sie auf die Geschäftsidee mit der belgischen Schokoladenfabrik kamen. Zurück in der Heimat, bat Goedele Matthyssen einen berühmten Antwerpener Chocolatier, ihr alles über die Herstellung edler, handgefertigter Schokolade beizubringen. Ein Jahr lang arbeitete sie kostenlos in seiner Confiserie.

In der alten Hornower LPG-Küche fand das Ehepaar bezahlbare Produktionsräume. Matthyssen begann 1992 mit einer Probeproduktion. Bienstman kümmerte sich um den Vertrieb und bot die Schokolade zunächst Hotels in Berlin, Brandenburg und Sachsen an. Wenig erfolgreich. Nach zwei Jahren waren sie fast pleite. „Wir haben immer weiter überlegt, was wir anders machen können.“ Bis sie ihre Marktlücke gefunden hatten.

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