Preiserhöhungen : Politik greift Milchhändler an

Die geplante Erhöhung der Milchpreise sorgt unter Politikern für Empörung. Höhere Preise für die Landwirte seien gerechtfertigt, aber der Handel betreibe Abzocke.

BerlinDie Bundesregierung hat die bevorstehenden starken Preiserhöhungen bei Milch kritisiert. "Diese drastischen Preiserhöhungen sind nicht wirklich nachvollziehbar", sagte eine Sprecherin des Bundesverbraucherministeriums. Die Erhöhung in diesem Ausmaß habe nichts zu tun mit den gestiegenen Milchpreisen, die die Bauern seit kurzem erhalten. Die Bauern bekämen etwas mehr Geld, dies sei aber "nicht wesentlich". Die Landwirte seien bisher oft unter Herstellungspreis entlohnt worden. Die Bundesregierung beobachte dies, habe aber keine Handhabe.

Auch die Grünen kritisierten die höheren Preise scharf. Die "Verbesserung der Nachfrage auf dem Weltmarkt" werde von der Milchindustrie ausgenutzt, sagte die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Ulrike Höfken (Grüne), im Inforadio des RBB. Eine Verdopplung der Verbraucherpreise sei völlig ungerechtfertigt. Zwar brauchten die Bauern einen vernünftigen Preis für ihre Erzeugnisse: "Höhere Preise für die Bauern seien in jedem Fall gerechtfertigt", sagte sie. Aber "eine Abzocke sollten sich die Verbraucher nicht gefallen lassen".

Auf der Milchwirtschaft und dem Handel laste derzeit ein erhöhter Druck, der auch durch den Bund der Milchviehhalter (BDM) mit dessen Forderungen nach besseren Preisen erzeugt werde. Angemessene Preise für die Bauern würden für die Verbraucher jedoch höchstens bedeuten, "dass etwa zehn bis höchstens 20 Prozent" Preisanstieg auf sie zukommt. Der Milchindustrie-Verband hatte am Wochenende für Butter, Quark und Milch Preiserhöhungen bis zu 50 Prozent angekündigt. Auch aus der SPD wurde bereits scharfe Kritik laut. (mit AFP)