Premier League : Kevin Boateng überzeugt – mit der Frisur

Tottenhams neuer Trainer brachte den Ex-Herthaner von Beginn an. Es war sein erster Einsatz in der Premier League. Der Millioneneinkauf blieb dabei unauffällig.

Markus Hesselmann

LondonDer neue Trainer ließ nur wenig beim Alten. Juande Ramos, gerade vom FC Sevilla zu Tottenham Hotspur gewechselt, wählte in seinem ersten Spiel in der englischen Premier League eine überraschende Aufstellung. Die Starstürmer Robbie Keane und Dimitar Berbatow saßen beim 1:1 in Middlesbrough zunächst auf der Bank, ebenso Didier Zokora, Liebling der Tottenham-Fans. Dafür kamen Darren Bent, Jermain Defoe – und als größte Überraschung Kevin- Prince Boateng, der am zwölften Spieltag erstmals seit seinem Wechsel von Hertha BSC auflief. Sonst kickte der deutsche U-21-Nationalspieler in Tottenhams Reserveteam, jetzt stand er in der Startelf – und das in einem wichtigen Spiel bei der Konkurrenz im Abstiegskampf.

Die Aufstellung wirkte wie eine Antwort auf Ramos’ Vorgänger Martin Jol, der zehn Tage zuvor entlassen worden war. Der Holländer hatte Fehleinkäufe der Klubführung für sein Scheitern verantwortlich gemacht. Die britischen Medien bezogen Jols Kritik auf Bent und Boateng. Die beiden jungen, aber teuren Einkäufe – der 23-jährige Bent kostete rund 24 Millionen Euro, der 20-jährige Boateng rund sieben Millionen – hätten mit einigen anderen hinzugekommenen Youngstern das Altersgefüge durcheinandergebracht. Tottenhams Team sei nicht routiniert genug, um das im Sommer verkündete Saisonziel Champions League zu erreichen. Allerdings hatte Jol damals sowohl die Verjüngungsstrategie als auch das ambitionierte Saisonziel öffentlich mitgetragen. Ramos jedenfalls scheint schon länger von Boatengs Qualitäten überzeugt zu sein. Schließlich wollte er den Mittelfeldspieler vor dieser Saison zum FC Sevilla holen.

Die aktuellen Kritiken für Boatengs Auftritt in Middlesbrough waren eher reserviert. Nach einer „stabilen, aber unspektakulären Leistung“ stehe das Urteil weiterhin aus, ob er das Können für die Premier League mitbringe, schrieb der „Daily Telegraph“. Boateng habe zwar mit seinen hellen Strähnen im ansonsten dunklen Haar stilistisch überzeugt, stellte der „Observer“ fest. Aber ansonsten „blieb er so anonym, dass man sich erst wieder an seine Anwesenheit erinnerte, als seine Nummer zur Auswechslung hochgehalten wurde“. Nach gut einer Stunde kam Zokora für Boateng. Kurz zuvor hatte Ramos schon Keane und Berbatow für Bent und Defoe eingewechselt. Die alte Ordnung war wiederhergestellt. Markus Hesselmann