Der Tagesspiegel : Premnitzer wehren sich gegen Verkauf Platzeck hilft insolventem Werk

Michael Mara,Thorsten Metzner

Von Michael Mara

und Thorsten Metzner

Premnit z / Potsdam. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hat dem insolventen Viskosehersteller Prefil GmbH in Premnitz Hilfe zugesagt, die Beschäftigten aber zugleich vor verfrühten Hoffnungen gewarnt. Es sei ein Wettlauf mit der Zeit, sagte der Regierungschef am Dienstag vor der Belegschaft. Sie hält das Unternehmen seit Anfang Dezember besetzt, weil die Spinnmaschinen vom Insolvenzverwalter nach Indien verkauft werden sollen. Dieser Schritt würde nach Angaben Platzecks das endgültige Aus für das Unternehmen bedeuten. Die Landesregierung sei entsprechend ihren Möglichkeiten bereit, mit Finanzspritzen oder Bürgschaften zu helfen, „wenn sich Investoren fänden, die den Standort erhalten wollen", betonte der Regierungchef. Aus dem Wirtschaftsministerium hieß es, es gebe Gespräche mit Investoren.

Gegenüber dem Tagesspiegel bezeichnete Platzeck die Lage in Premnitz als ernst. Ein Ende des Prefil-Unternehmens könnte weitreichende Folgen für den gesamten Chemiestandort haben, der aus einer Handvoll Nachfolgeunternehmen des früheren DDR-Chemiekombinates „Friedrich Engels“ (damals 7500 Beschäftigte) besteht. So müsste zum Beispiel das Kraftwerk, wenn es seinen wichtigsten Abnehmer verliere, Leute entlassen und die Energie-Preise erhöhen. Dies hätte Folgen für die Rentabilität der anderen Betriebe und könnte „zu einer Kettenreaktion führen". Auch die Prefil-Betriebsratsvorsitzende Sabine Kindler mahnte gestern erneut zur Eile: Mit dem Verkauf der Spinnmaschinen könne „ein Damm brechen". Das wäre „Sterbehilfe für den gesamten Standort". Dem Vernehmen nach stehen die Verträge vor der Unterzeichnung.

Die Geschichte des Chemiestandortes ist seit 1990 eine einzige Zitterpartie. Die nach der Wende gegründete Märkische Faser AG, aus der die Prefil GmbH und einige andere Betriebe hervorgegangen sind, stand mehrfach vor der Pleite.

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