Presseschau : Horror mit Axt

Wie türkische Blätter über die Schlägerei mit Türkiyemspor in Lindow berichten.

Ferda Ataman

Der 15-jährige Hakan M. sitzt breitbeinig auf einem Stuhl und präsentiert sein verbundenes Knie – dieses Opferbild ist am Freitag in fast allen hiesigen türkischsprachigen Zeitungen ganz vorn zu sehen. „Sie haben den Hitlergruß gezeigt und sich auf sie gestürzt“, titelt etwa die Milliyet zum Zusammenprall von Türkiyemspor-Spielern und Lindower Jugendlichen, bei dem es zu fremdenfeindlichen Äußerungen kam.

Neben dem Bild schildert Nachwuchskicker Hakan seine Sicht des Vorfalls in Nordbrandenburg, nach dem die B-Jugend ihr Training abgebrochen hat: „Gott hat mich beschützt“, sagt er. „Hätten die mich am Kopf getroffen, wäre ich jetzt tot.“ Dass die Staatsanwaltschaft auch gegen die Berliner Kicker ermittelt, wird in keiner Zeitung erwähnt. Vielmehr heißt es, die Polizei hätte die Jungs zu Unrecht als Beteiligte und nicht als Opfer verhört. Grünen-Politiker Özcan Mutlu hinterfragt die Polizei, weil sie „erst eineinhalb Stunden später kommt und dann direkt in die Sportschule und nicht zum Tatort“.

Der Vereinsvorsitzende von Türkiyemspor sagt ebenfalls in Milliyet: „Wir haben schon viele Beleidigungen und Angriffe bei Spielen im Stadium erlebt und haben die rechtsextremen Angriffe satt.“ Der türkische Generalkonsul Mustafa Pulat spricht laut Hürriyet von einem „verhängnisvollen Irrtum“: Der Vorfall sei zunächst als Streit unter Jugendlichen abgetan worden, „doch es war ein Übergriff von Rechtsextremen“. Die auflagenstärkste Zeitung lässt keinen Zweifel daran: „Rassist mit Axt verbreitete Horror“, steht auf der Titelseite. Ferda Ataman

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