Der Tagesspiegel : Preußenjahr: Unter den breiten Schwingen des schwarzen Adlers

Helmut Caspar

Zwischen Prenzlau und Peitz, Heiligengrabe, Frankfurt (Oder) und Altranft schwingt der schwarze Adler, der Wappenvogel des vor 300 Jahren zu königlichen Ehren gelangten Hauses Hohenzollern, seine Flügel - das Preußenjahr läuft, und es bietet eine Fülle an Ausstellungen:

Noch bis zum 5. August läuft im Berliner Schloss Charlottenburg die Schau "Preußen 1701. Eine europäische Geschichte". Weiter gibt es ab 18. August im restaurierten Kutschstall am Neuen Markt in Potsdam, dem Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, eine "Entdeckungsreise durch Brandenburg-Preußen". Sie richtet den Blick weit in die Vergangenheit zurück und streift auch das 20. Jahrhundert, während sich ein großer Teil der anderen Ausstellungen mit dem 18. und 19. Jahrhundert befasst.

Ansehnlich ist die bis 14. Oktober in Frankfurt laufende Ausstellung "Viadrina - Eine preußische Universität im 18. Jahrhundert". Für sie gibt es keinen besseren Platz als das Junkerhaus wenige Schritte von der Oder entfernt. Nach umfassender Restaurierung werden im Rahmen der Ausstellung einige frisch restaurierte Räume gezeigt. Interessant zu erfahren, wie die Viadrina das geistige und gesellschaftliche Leben in der Stadt am Strom bestimmt hat, wie wichtige Wirtschaftszweige, etwa der Buchdruck und das Verlagswesen, durch die Alma mater angeregt wurden.

Im Kloster Heiligengrabe in der Prignitz läuft bis 3. Oktober die Ausstellung "Preußens Frauenzimmer". Die Schau im restaurierten Stiftshauptmannshaus erinnert - wie berichtet - an Frauen und Mädchen, die sich mit viel Courage in einer von Männern dominierten Welt durchzusetzen verstanden. Ziel ist, Einblicke in die Frauenzimmer in des Wortes doppelter Bedeutung zu gewähren. In der Spandauer Zitadelle wird bis Ende des Preußenjahres 2001 die Geschichte des Festungsbaues unter den Hohenzollern erzählt. Schwerpunkte der mit Lageplänen, Gemälden, Zeichnungen, Aktenstücken und auch Waffen bestückten Schau sind die auch als Gefängnisse und große Pulvermagazine genutzten Festungen Spandau, Peitz und Küstrin beziehungsweise das, was nach Kriegen und Katastrophen von ihnen übrig geblieben ist. Zuckersüß geht es in Altranft bei Bad Freienwalde zu. In einem restaurierten Schloss wird bis 12. August an die Stein-Hardenbergschen Reformen im Vorfeld der Befreiungskriege von 1813 bis 1815 erinnert und dargestellt, wie man es verstand, aus den im Oderbruch angebauten Runkelrüben Zucker zu gewinnen, der daraufhin zu einem Volksnahrungsmittel wurde und dem Landstrich zwischen Berlin und der Oder zu einigem Wohlstand verhalf. Die Altranfter Ausstellung ist Teil einer auf mehrere Standorte in Berlin und Brandenburg verteilten Dokumentation über die Geschichte der Landwirtschaft und die Agrarreformen in unserer Region.

Wie das Militär das Leben einer Garnisonstadt dominierte, erfährt man bis 31. Oktober im Prenzlauer Dominikanerkloster, während das Stadtmuseum in Schwedt bis 13. Januar 2002 eine Nebenlinie des Königshauses, die Markgrafen von Schwedt, aus der Versenkung holt. Sehenswert ist diese Ausstellung auch deshalb, weil das kommunistischem Bildersturm geopferte Schloss in Schwedt mit Bildern und Dokumenten seine Auferstehung erfährt.

Im Kreishauptmannshaus in Oranienburg, in der Klosterkirche zu Angermünde sowie im Cottbuser Stadtmuseum wird der nach 1945 vertriebenen, zum Teil auch ausgerotteten adligen Eliten in der Mark Brandenburg und ihrer Wiederkehr nach 1990 gedacht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben