Der Tagesspiegel : Preußische Schlösserstiftung: Schlossherr gesucht

Thorsten Metzner

Königlicher Arbeitsplatz in Sanssouci geboten, Preußischer Schlösserchef gesucht: Nach dem Ausscheiden von Generaldirektor Hans-Joachim Giersberg, der aus gesundheitlichen Gründen Ende Oktober zwei Jahre früher als geplant in den Ruhestand geht, wollen Brandenburg, Berlin und der Bund die Führungsposition der Preußischen Schlösserstiftung wieder mit einem hochkarätigen Kunst- und Museumsexperten besetzen.

Über die Nachfolge gibt es bereits erste Spekulationen: Unter anderem sind der frühere Berliner Kultursenator Christoph Stölzl, Brandenburgs Landeskonservator Detlef Karg und der Kunsthistoriker Prof. Adrian von Buttlar im Gespräch. "Doch es gibt keinen Favoriten, auf den alles hinausläuft", hieß es gestern in Stiftungsratskreisen. Man sei gespannt, wer sich auf die Ausschreibung für die Stelle bewerbe, die zu den exponiertesten in Deutschland zähle. Der Bund, Berlin und Brandenburg als Träger der Stiftung wollen die Generaldirektion der Preußischen Schlösserstiftung möglichst zügig neu besetzen, die die zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden Schlossparkanlagen in Berlin und Brandenburg - mit rund 150 Museums-Schlösser und Baudenkmale - verwaltet und betreut. Dennoch wird wohl kaum vor dem Jahreswechsel mit dem neuen Chef zu rechnen sein: Der turnusmäßig wechselnde Stiftungsratsvorsitz liegt derzeit bei der amtierenden Berliner Übergangs-Kultursenatorin Adrienne Goehler (parteilos). So gilt als wahrscheinlich, dass die Neuausschreibung für die Stelle erst nach dem 21. Oktober, dem Berliner Wahltermin, erfolgen wird.

Da kein nahtloser Übergang möglich ist, wird ab 1. November zunächst Giersbergs bisheriger Stellvertreter, Verwaltungsdirektor Thomas Köstlin, kommissarisch die Amtsgeschäfte führen. Dennoch dreht sich bereits die erste Vorrunde des Namenskarussells: Der Name des Berliner Ex-Kultursenators Christoph Stölzl, wird nach wie vor ernsthaft gehandelt. Nachteilig sei allerdings, dass er sich als Mitglied im Wahlkampfteam des Berliner CDU-Spitzenkandidaten Frank Steffel politisch sehr aus dem Fenster gelehnt habe, hieß es in Kreisen der Bundesregierung.

Gehandelt wird auch Adrian von Buttlar, derzeit noch Professor für Kunstgeschichte in Kiel und Mitglied des Stiftungsbeirates, der 1995 Giersberg bei der Bewerbung unterlag. Ebenfalls im Gespräch: Brandenburgs Landeskonservator Detlef Karg. Dass Brandenburgs Ex-Finanzministerin Wilma Simon (SPD), die in den letzten Jahren Sponsoring-Millionen für Stiftungsschlösser besorgte, den Vorsitz der Stiftung übernehmen würde, sei abwegig, hieß es. Theoretisch käme auch ein weiterer Name in Frage: Bernd Kauffmann, früher Präsident der Stiftung Weimarer Klassik. Doch ist der Kulturmanager gerade Chef eines internationalen Kultur- und Wirtschaftszentrums des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands auf dem märkischen Schloss Neu-Hardenberg geworden. In Berlin oder Brandenburg, so ein Stiftungs-Insider, gebe es "nur wenige geeignete und kompetente Persönlichkeiten für diese herausgehobene Stelle", erst recht vom Format Giersbergs. Da eine stiftungsinterne Lösung ausgeschlossen wird, "sei um so spannender, wer sich bewerben wird."

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