Der Tagesspiegel : Prignitzer Elefanten sollen die Zirkusse retten

Dompteur plant die Zucht der Dickhäuter in Platschow

Claus-Dieter Steyer

Platschow. „Sie suchen wirklich unsere Elefanten?“, wundert sich die ältere Frau in Kittelschürze und kichert. „Ach, jetzt wird unser winziges Platschow wohl noch berühmt?“ Warum nicht. Es dürfte das einzige Dorf in Deutschland sein, wo auf rund 20 Häuser fünf Elefanten kommen.

An der nächsten Ecke stehen sie, die grauen Riesen, hinter hohen Bäumen. Vier ausgewachsene afrikanische Elefanten auf der Weide. Im Stall an Rande der Wiese macht sich ein weiterer Dickhäuter bemerkbar, der laut schmatzend eine Portion Äpfel verspeist. Die Tiere gehören dem Dompteur Sonni Frank, der gerade in den Abschlussvorbereitungen für sein Elefantenfest steckt, dass am Wochenende in Platschow steigen soll. „Das Festzelt fürs Wochenende steht schon fast“, sagt er. „Damit steht der Eröffnung unseres ziemlich einmaligen Elefantenhofes nichts mehr im Wege.“ Am Sonnabend und Sonntag können sich Besucher zwischen 11 und 18 Uhr ausgiebig mit den Tieren beschäftigen, auf ihnen reiten oder ihnen Futter reichen. Ein Biologe gibt Auskünfte, am Samstagabend gibt’s ein Hexenfest.

Die fünf Elefanten sind Familieneigentum. „Mit ihnen trete ich in allen möglichen Zirkussen auf“, erzählt Sonni Frank, der in siebter Generation die Artisten- und Dompteurtradition seiner Familie fortsetzt. „Gerade war ich auf einer großen Tournee durch Dänemark. Zuvor haben wir in Frankreich und in Monaco Preise für unsere Darbietungen erhalten.“ Auf der Suche nach einer Heimat für seine ungewöhnliche Truppe ist er nun in dem kleinen Platschow im Brandenburger Nordwesten an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern fündig geworden. Seit dem Frühjahr leben Mensch und Tier nun hier, starten ab Platschow ihre Ausflüge in die Zirkuswelt. „Die Gegend ist ideal“, sagt Lilian Kröplin, Lebensgefährtin und Manege-Partnerin von Sonni Frank. „Viel Platz und ausreichend Futter, denn neben Heu, Stroh und Kraftfutter lieben die Elefanten die heimischen Äpfel und Zweige von Laubbäumen.“ Probleme mit den Einwohnern gebe es nicht. Bisher hätte es keine Vorfälle gegeben. Die Tiere sind friedlich und vor allem gut dressiert. Und außerdem steht bei den Bauern der Elefantenmist hoch im Kurs. Der vollbringe wahre Wunder auf den Feldern für Mais, Rüben und Kürbisse. In der Nähe von Hannover, wo das Paar mit seinen Tieren bislang lebte, war die Stimmung nicht ganz so gut. „Die Behörden deklarierten den Mist als Sondermüll“, sagt die 43-jährige Frau.

Für Platschow haben sich die beiden Elefantendompteure etwas Besonderes überlegt: Hier will Sonni Frank eine Zucht aufbauen. Deshalb tritt der Bulle Sahib nicht mehr im Zirkus auf. Er soll sich stressfrei und ohne Ablenkung auf die vier Damen konzentrieren können. „Wenn wir Zirkusleute nichts unternehmen, gibt es in 20 bis 25 Jahren keine Elefanten mehr in der Manege“, rechnet Frank vor. Grund sei das Washingtoner Artenschutzabkommen, das verbiete seit 1989 deren Import aus Asien und Afrika. „Die jetzt noch schätzungsweise 200 bis 250 Zirkuselefanten in Europa sterben im Alter von 50 bis 60 Jahren, und es gibt keinen Ersatz.“ Zoos und Tierparks würden keine Elefanten in die Zirkusse geben. „Wir halten sie angeblich nicht artgerecht“, erklärt der Dompteur, der sich selbst als „Elefantennarr“ bezeichnet. „Deshalb will ich diesen Kollegen mit einer Geburt das Gegenteil beweisen.“ Das letzte Mal wurde vor sieben Jahren in einem schweizerischen Zirkus ein Elefantenbaby geboren.

Der Elefantenhof in Platschow ist über die Ausfahrt Parchim der Autobahn Berlin-Hamburg und die Landstraße nach Ziegendorf zu erreichen, Telefon 038 785/900 59.

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