Der Tagesspiegel : Prinzessin Franziska vom Café Heider . . .

SABINE SCHICKETANZ

Studenten, die kellnern, tun das meist, um ihr Studium zu finanzieren. Franziska Knuppe, damals noch Studentin der Betriebswirtschaft, hatte dasselbe im Sinn. Im Herbst 1996 nahm sie einen Job im Potsdamer Traditionscafé Heider an. Was dann passierte, ähnelt einem modernen Märchen made in Hollywood

Erst lernte die Kellnerin ihren zukünftigen Ehemann Christian Nöstl im Café kennen, zwei Monate später entdeckte sie der Modedesigner Wolfgang Joop dort als Model.

Knuppe wurde von der Agentur Elite Model Look sofort aufgenommen, gewann auf Anhieb die Weltausscheidung der Agentur in Nizza als bestes Model, stand schon ein Jahr später in Paris, Mailand, London und in Hamburg vor der Kamera und auf dem Laufsteg. Vor ein paar Tagen, und fast zwei Jahre, nachdem sich für Knuppe die Welt verändert hat, sah Potsdams Öffentlichkeit die Kellnerin plötzlich wieder: In einem transparenten Kleid, entworfen von Wolfgang Joop, zur Vorstellung des neuen Dufttyps "rococo".

Wie ist sie, die Märchenprinzessin, mit dem schnellen Aufstieg in die wenn nicht Berühmtheit, dann auf jeden Fall Bekanntheit, zurechtgekommen?

"Ich bin immer noch ich", sagt Franziska Knuppe, und es hört sich aufrichtig an. "Sicherlich habe ich mich verändert, aber das gehört zu meiner Entwicklung dazu." Das wichtigste in ihrem Model-Beruf sei, das Privatleben zu bewahren. Das hat sie schnell begriffen. "So rutscht man nicht ins falsche Leben rein." Nach Foto-Shootings in ganz Europa fahre sie immer sofort nach Hause. "Ich mache meine Arbeit, und dann bin ich weg." Keine Sektparties, keine Drogenexzesse, keine Liebhabereien mit Stars.

Die Geborgenheit bei ihren Eltern und ihrem Freund in Potsdam und in ihrem eigenen Zuhause am Heiligen See gibt ihr die Kraft für ihre Arbeit. "Aber das Modeln macht mir auch viel Spaß, und solange es gutläuft und ich weiter Spaß habe, werde ich auch weitermachen", sagt sie mit Überzeugung.

Zwar in Rostock geboren, ist Potsdam für Knuppe Heimat. Als sie zwei Jahre als war, zogen ihre Eltern in die Stadt, Franziska ging erst auf die Adolf-Hausmann-Grundschule und machte später ihr Abitur am Espengrund-Gymnasium.

Die größten Momente in Franziskas bisheriger Karriere aufzuzählen, dauert (noch) nicht allzulange. "Das ist auf jeden Fall die neue Joop-Kampagne, die Bilder in der europaweit erscheinenden Marie Claire und in der deutschlandweiten Cosmopolitan."

Dafür, daß sie es ohne jegliche Model-Erfahrung so schnell bis in die Hochglanzmagazine geschafft hat, seien besonders die Fotografen verantwortlich. "Ich habe Glück mit ihnen gehabt, denn sie haben mir geholfen und waren sehr locker", sagt Franziska Knuppe.

Die Joop-Kampagne beispielsweise habe mit dem Engländer Shawn Ellis ein absoluter Branchen-Newcomer fotografiert, mit dem sie sehr gut zusammenarbeiten konnte. "Außerdem glaube ich, daß ich ziemlich schnell begriffen habe, zu wissen, ob jemand ein Freund ist oder nicht."

Routine hat sich auch nach zwei Jahren noch nicht eingestellt. Der Gedanke, vor Hunderten von Fotografen und oft Tausenden Zuschauern auf dem Laufsteg zu stolpern, ist ein andauernder Albtraum für sie. "Ich bin jedes Mal aufgeregt, kriege einen kurzen Adrenalinschock, der aber nach ein paar Sekunden vorbei ist."

Ein anderer Schock war es, als bei den Shows in Mailand und Paris plötzlich das Supermodel Naomi Campbell neben Franziska Knuppe auf dem Laufsteg stand. "Darauf sollte man sich aber nichts einbilden", sagt die Potsdamerin. "Ich bin an Naomi gar nicht rangekommen, die war von ihren Bodyguards und anderen Leuten total abgeschirmt." Außerdem habe sie sich nicht getraut, den Topstar der Modelbranche überhaupt anzusprechen. "Ich hatte nicht direkt Angst, aber man kennt die Gerüchte, und da lasse ich es halt lieber."

Einmal einen ebenso großen Namen zu haben wie Campbell, hält Franziska Knuppe für ausgeschlossen. Nicht, weil sie nicht die Fähigkeiten dazu hätte, sondern - "weil das heute nicht mehr möglich ist. Das war eine andere Zeit, als Naomi und Claudia Schiffer berühmt geworden sind." Jetzt strömten viel mehr Mädchen ständig in die Modelagenturen, aber es gebe nur wenige, die den Durchbruch schafften.

Eine von ihnen ist Christina Kruse. "Das ist ein Name, den man in der Branche in Deutschland kennt. Und als ich dann mit ihr zusammengearbeitet habe, kam ich mir schon nicht bedeutungslos, aber komisch vor", sagt die Potsdamerin. Ihr Ziel ist es, "soweit zu kommen, wie es geht. Ich will viel auf dem Laufsteg sein und mit tollen Namen arbeiten." Sie träumt von Foto-Shootings mit dem Star-Fotografen Peter Lindbergh oder für die italienische Vogue.

Sollte sich das alles nicht erfüllen, wäre es jedoch kein Beinbruch. Knuppe ist gelernte Hotelfachfrau, die Gastronomie liebt sie noch immer. "Vielleicht mache ich später etwas Eigenes auf." Vorgenommen, Model zu werden, hatte sie sich sowieso nie. "Auf die Idee bin ich nicht einmal gekommen." Außerdem möchte sie Kinder haben und eine Familie gründen - mit ihrem Freund und zukünftigen Ehemann Christian Nöstl. Am 14. August werden die beiden in Potsdam heiraten, Franziska in einem von Wolfgang Joop entworfenen Hochzeitskleid.

Die Potsdamer Märchenprinzessin kommt gut zurecht in der Welt eines modernen Märchens. Nur mit dem Zeitgefühl, da hapert es bei ihr manchmal ein wenig. "Ich bin jetzt 24 Jahre alt, aber fühlen tue ich mich wie 21 oder 22."

Sie sind eben schnell vergangen, die zwei Jahre, seitdem die Potsdamerin Franziska Knuppe nicht mehr als Kellnerin im Café Heider arbeitet.

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