Der Tagesspiegel : Pro Hektar ein Schaden von 1000 Mark

Brandenburgs Agrarstaatssekretär Hans-Hermann Bentrup: Das Hochwasser hat die Ernte ist vernichtet TAGESSPIEGEL: Südlich von Frankfurt (Oder) steht die Landwirtschaft unter Wasser.Welche Schäden sind zu befürchten? BENTRUP: Die Ernte ist vernichtet.Folgeschäden entstehen durch die Verschlammung.Doch schon der Verlust der Ernte bedeutet einen Schaden von mindestens 1000 Mark pro Hektar. TAGESSPIEGEL: Wie viele Hektar sind verwüstet? BENTRUP: Im südlichen Teil sind es 7500 Hektar. TAGESSPIEGEL: Das macht einen Schaden von 7,5 Millionen Mark... BENTRUP: Das ist nur eine grobe Hausformel, wenn man die Ernte sieht, beispielsweise bei Getreide.Aber bei Zuckerrüben zum Beispiel sind es höhere Erträge, die verlorengehen.Außerdem gibt es südlich von Frankfurt erhebliche Grünlandbereiche mit Milch- und Mastvieh.Da ist ein Ertragsrückgang unvermeidlich, zum Beispiel wenn Milchvieh in Sicherheit gebracht und woanders gemolken werden muß.Die Größenordnung läßt sich aber noch nicht schätzen.Wenn die Flut ins Oderbruch kommt, sind höhere Zahlen zu befürchten.Das Oderbruch hat eine Ausdehnung von 68 000 Hektar.Da ist viel Gemüse und Ackerbau dabei, so daß hier bei den Schadenssummen ein wesentlich höherer Durchschnitt zu erwarten wäre. TAGESSPIEGEL: Sind Folgeschäden durch verunreinigtes Wasser zu erwarten? BENTRUP: Momentan führt die Oder relativ sauberes Wasser.Im Polder bei Ziltendorf halten sich Verschmutzung und Schlammablagerung in Grenzen.Wo Ölfässer schwimmen, kann es örtliche Kontaminierungen geben.Verschmutzung ohne Giftstoffe ist indes schnell von der Natur wieder zu heilen.Sobald die Gebiete frei sind, werden Gras- und Bodenproben entnommen. TAGESSPIEGEL: Welche Schadstoffe wurden festgestellt? BENTRUP: Im Wasser auf dem Polder bei Ziltendorf sind keine Schadstoffe, die irgendwie kritisch werden.Also keine Dioxine oder ähnliches.Nur am Anfang war das Wasser kontaminiert.Da war die bakterielle Belastung kritisch. TAGESSPIEGEL: Wo kam sie her? BENTRUP: Vom Oberlauf, also wahrscheinlich aus Polen und Tschechien.Das waren möglicherweise Güllegruben, aber auch menschliche Fäkalien.Einige Kläranlagen wurden ausgeschwemmt. TAGESSPIEGEL: Wie viele Tiere sind verlorengegangen? Gab es Notschlachtungen, weil Futter fehlte? BENTRUP: Bislang ist kein Tier durch Ertrinken verloren gegangen.Ich kann nicht ausschließen, daß beim Transport hochempfindlicher Tiere Folgeschäden eingetreten sind.Es kann sein, daß Hochleistungstiere an Herzversagen eingehen.Aber mir sind keine Zahlen bekannt.Notschlachtungen waren bislang nicht nötig, weil es genügend Hilfsangebote und Kapazitäten gab, um die Tiere unterzubringen.Auch die Futterfrage ist kein Thema. TAGESSPIEGEL: Wie sieht es mit der Schadensregulierung aus? BENTRUP: In der Landwirtschaft genügt es zunächst, daß die Notversorgung sichergestellt ist, also beim Viehbestand über Nachbarschaftshilfe.Die Viehbestände sind ja soweit evakuiert.Da tritt noch keine Not ein.Unsere Vorbereitungen gelten vor allem der schnellen finanziellen Hilfe.In Frankfurt (Oder) wird derzeit ein gemeinsames Büro der Investitions- und Landesbank Brandenburg sowie der Allianz-Versicherung aufgebaut.Dort werden die Anträge der landwirtschaftlichen Betriebe genauso bearbeitet wie die der anderen Hochwassergeschädigten. TAGESSPIEGEL: Gibt es schon Anträge? BENTRUP: Bei der Landwirtschaft noch nicht.Aber wir sammeln Daten über die zu erwartenden Schäden, um bald eine Hochrechnung erstellen zu können. TAGESSPIEGEL: Wie lange wird es dauern, bis ein Antragsteller Geld bekommt? BENTRUP: Wenn die Futtersituation kritisch ist, wird geholfen.Wenn es um eine vorzeitige Auszahlung von Prämien geht, zum Beispiel für den Anbau bestimmter Kulturpflanzen wie Getreide und Kartoffeln auf schlechten Böden, werden wir bis Ende August brauchen.Normalerweise sind die Prämien erst zum Jahresende fällig. TAGESSPIEGEL: Welche Gelder stehen bereits zur Verfügung? BENTRUP: Für Schadensfälle wird das Geld ja immer frisch zur Verfügung gestellt.Es gibt keinen Fonds, der schon in normalen Zeiten existiert.Derzeit finden Verhandlungen zwischen den Finanzministern in Bonn und Potsdam über eine Verwaltungsvereinbarung statt.In 14 Tagen sind die Modalitäten vermutlich klar.Aber es gibt für die Betriebe ja viel kompliziertere Fragen, als die nach den Schäden.Wenn derartige Verwüstungen entstanden sind, daß die Betriebsentwicklung ganz in Frage gestellt wird, sind noch andere Hilfen notwendig.Wir haben vorgesehen, daß Betriebe, die sich nach dem Hochwasser umstellen wollen, eine umfassende Beratung bekommen.Daraus wird ein Investitionsprogramm resultieren. TAGESSPIEGEL: Um welche Summe geht es bei der Verwaltungsvereinbarung zwischen den beiden Finanzministerien? BENTRUP: Da geht es um die 20 Millionen Mark, die von der Bundesregierung bereitgestellt worden sind.Die Modalitäten müssen noch festgelegt werden.Das heißt, für welche Bereiche die 20 Millionen einzusetzen sind.Die Landesregierung wünscht einen möglichst breiten Anwendungskreis.Außerdem wird eine Absprache zu treffen sein, wie das 200-Millionen-Mark-Programm der Kreditanstalt für Wiederaufbau verteilt wird.Da stehen 200 Millionen Mark Kredite zu günstigen Konditionen bereit, um der Wirtschaft zu helfen, auch der Landwirtschaft.Um Ertragsausfälle zu ersetzen, um den Bauern den Wiederaufbau ihrer Gebäude zu ermöglichen.Oder um die komplette Umstellung eines Betriebes zu unterstützen.

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