Der Tagesspiegel : Problemfall

Der Sexualstraftäter Werner K. ist wieder zu Hause Bürger protestieren – eine Lösung gibt es aber nicht

Joachimsthal/Potsdam - In der Bäckerei am Marktplatz von Joachimsthal verkaufen sich die Zeitungen an diesem Montag besser als sonst. Joachimsthal ist in den Schlagzeilen, weil der verurteilte Sexualstraftäter Werner K. seit Freitag wieder in seiner Heimatstadt ist. Und weil sein Neffe am Sonntag mit einem Vorschlaghammer in der Hand Journalisten bedrohte, die sich vor dem Haus von Werner K. versammelt hatten.

„Eine Sauerei ist das“, sagt die Verkäuferin in der Bäckerei. Mehrere Polizisten müssten den 50-Jährigen jetzt rund um die Uhr bewachen, „und wir bezahlen das mit unseren Steuern. Dabei gehört der doch hinter Gitter“. Die Frau hinter der Verkaufstheke ist nicht die einzige in Joachimsthal, die so redet. Auch in der Nähe des Wohnhauses, in dem Werner K. nun wieder bei seiner Schwester lebt, sagen Frauen, sie müssten jetzt wieder Angst um sich und ihre Kinder haben. Andere wiederum meinen, die Polizisten passten schon auf, dass nichts passierte.

Den eigenen Namen nennen will aber niemand in dem 3300-Einwohner-Städtchen in der Schorfheide nordöstlich von Berlin. Und wenn die Sprache auf die rechtsextreme NPD kommt, die bereits für die „Todesstrafe für Kinderschänder“ durch den Ort marschiert ist, winken die Joachimsthaler ab. Kein Wort dazu.

Die Bürgerinitiative, die sich im Frühjahr gegründet hatte, als Werner K., der mehrfach Frauen vergewaltigt und Kinder missbraucht hat, nach mehr als 20 Jahren Haft freigelassen wurde, will nun wieder aktiv werden. Im Sommer waren die Protestaktionen gegen den Verbleib des immer noch als gefährlich geltenden K. am Ende auf wöchentliche Mahnwachen, die Initiative auf fünf aktive Mitglieder geschrumpft. Jetzt sollen die Proteste wieder losgehen, berichtet Nadine S. Bereits am Sonnabend hätte sie mit dem Chef der Initiative, Peter Brobowksi, eine Demonstration verabredet. „Wir müssen nur noch Prospekte fertig machen“, sagt Nadine S. und begründet das mit ihrer Angst: „Ich habe ein zweijährige Tochter, bin wieder schwanger und selbst erst 19.“

Vor dem Haus, wo Werner K. bei seiner Schwester wohnt, wechseln sich jetzt wieder die Polizisten in ihren Wagen ab. Ein Fernsehteam sucht nach Fotos von K. und nach Leuten, die Verständnis für ihn haben – ohne Erfolg. „Lokalegoistische Interessen“ nennt Thomas Melzer diese Haltung. Er ist Sprecher des Potsdamer Justizministeriums, das sich seit Monaten verzweifelt darum bemüht, eine Einrichtung für Werner K. zu finden. Der hatte sogar eingewilligt, eine Therapie zu machen. Doch überall würden Einrichtungen, die ihn aufnehmen würden, stigmatisiert und angegriffen, beklagt Melzer. Im mecklenburgischen Zahren, wo sich K. zuletzt aufhielt, kam es zu tumultartigen Szenen auf einer Einwohnerversammlung.

„Das Problem Werner K. soll nicht gelöst, sondern einfach nur entsorgt werden“, sagt Thomas Melzer. Es klingt bitter. Und sehr ratlos. axf/das

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