Produktionsausfälle : Bahn-Streik kostet Industrie Millionen

In der deutschen Industrie mehrt sich die Angst vor einem langfristigen Streik bei der Bahn. Es werden Schäden durch Produktionsausfälle in Millionenhöhe befürchtet. Einige Unternehmen arbeiten bereits an Notfallplänen.

Markus Mechnich
Deutsche Bahn Streiks
Alle Räder stehen still: Wenn bei der Deutschen Bahn länger gestreikt wird, könnte die deutsche Industrie in ernste...Foto: ddp

BerlinDer am Donnerstag beginnende Streik bei der Deutschen Bahn könnte nicht nur für die Bahn selbst teuer werden. Zahlreiche Unternehmen sehen ihre Produktion in Gefahr, sollten die Transporte über die Schiene ausfallen. Besonders betroffen wäre die Autobranche. Bei BMW arbeitet man bereits an Notfallplänen um die Folgen des Streiks abzufedern. Als Ersatz sollen LKWs die benötigten Teile transportieren. Dies sei aber schwierig, "weil das andere auch versuchen". Auf einen Güterzug passten 200 Wagen, auf einen Lkw dagegen nur acht, sagte ein Sprecher von BMW.

Auch in der Chemie-Industrie schrillen bereits jetzt die Alarmglocken. Sollten zentrale Knotenpunkte wie der Güterbahnhof Köln-Eiffeltor ausfallen, dann wird es eng in der Produktion. Vielfach dürfen die gefährlichen Chemikalien gar nicht auf der Straße transportiert werden. Anders sieht es in der Stahlbranche aus. Dort dürften die Güter zwar auf die Straße, aber aufgrund des Gewichts und der Größe der Güter besteht dafür keine Chance. Ein langfristiger Streik würde Unternehmen wie Salzgitter oder die Dillinger Hütte aus dem Wettbewerb nehmen. Auch weil für die Hochöfen die Rohstoffe, wie Eisenerz und Kokskohle fehlen.

Privatbahnen ebenfalls lahmgelegt

Nach Schätzungen des Bundesverbandes für Materialwirtschaft werden 80 Prozent der auf Schienen beförderten Güter von der Deutschen Bahn befördert. Die übrigen 20 Prozent transportieren private Anbieter. Aber auch dort geht die Angst um: "Glauben Sie nicht, dass die Lokführer rechts ran fahren und den übrigen Verkehr weiterrollen lassen", sagt der Geschäftsführer des Netzwerkes Privatbahnen, Arthur-Iren Martini. Wenn die Güterzüge der Bahn stehen wird es wohl für die Privaten auch nicht weitergehen. Für die Privatbahnen könnte ein langer Streik existenziell bedrohlich werden.

Welche Alternativen gibt es? Die Straßen sind augelastet und auf die Schnelle lassen sich weder ausreichend LKWs noch Fahrer besorgen. Gerade die Brummifahrer sind durch die gute Konjunktur rar geworden in Deutschland. Mitte Mai schlug der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV) bereits Alarm. 15.000 bis 20.000 Fahrer fehlen durch den Boom. Auch im Ausland gäbe es nicht ausreichend Kräfte. "Osteuropäische Fahrer arbeiten längst in den Niederlanden oder Großbritannien", sagte Hauptgeschäftsführer Rogge. Die Binnenschifffahrt kann auch nur sehr bedingt helfen. Viele Unternehmen haben keine direkten Zugänge zu Häfen oder verarbeiten Güter, die sich nicht gut auf Schiffen transportieren lassen.

Mehr als zwei Tage Streik blockieren Industrie

Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) in Frankfurt am Main geht davon aus, dass sich ein Streik von ein bis zwei Tagen noch recht kompensieren ließe. Alles was darüber hinausgeht dürfte in der deutschen Industrie zu Produktionsausfällen führen. Porsche beispielsweise rechne für diesen Fall mit einem "enormen wirtschaftlichen Schaden", sagte ein Unternehmenssprecher dem "Handelsblatt". Die Karosserie-Lieferungen an das Werk Leipzig seien von der Bahn abhängig und könnten kurzfristig nicht auf die Straße verlagert werden.

Auch für das Gütergeschäft der Bahn dürfte sich ein langfristiger Streik äußerst negativ auswirken. Versucht sich doch die Bahn erfolgreich im Güterverkehr zu etablieren. 2006 konnte der Konzern erst ein Rekordjahr verzeichnen und verzeichnete ein Plus von mehr als zehn Prozent bei Transportvolumen auf der Schiene. Das sind mühsam von der Straße zurückgewonnene Marktanteile, die jetzt wieder in Gefahr geraten. (mit dpa/AFP)