Der Tagesspiegel : Projekte aus Fernost verzögern sich

Chinesische Investoren halten ihre Pläne nicht ein

Matthias Matern

Potsdam/Oranienburg - Eigentlich hätte schon längst zur Eröffnung geladen werden sollen. Noch allerdings liegt nicht mal eine Baugenehmigung vor. Vor gut einem Jahr machte die Ankündigung eines geplanten deutsch-chinesischen Wirtschaftszentrums in Potsdam die Runde. Zwei Gebäude an der Nedlitzer Straße wollte die Potsdam Shanghai Business Center GmbH zur Kontaktbörse für Investoren aus beiden Ländern ausbauen. Kosten in Höhe von bis zu 15 Millionen Euro wurden veranschlagt, für Ende 2007 die Einweihung angepeilt. Doch die lässt weiter auf sich warten. Zu den Gründen möchte sich die Potsdam Shanghai Business Center GmbH nicht äußern.

Jens Ullmann von der IHK-Potsdam, der das Vorhaben seit Beginn beobachtet, sieht hingegen „einige Verzögerungen in der Planung“ als Ursache für den holprigen Start. Dennoch ist er optimistisch. Das Potsdam-Shanghai-Business- Center komme. Das bestätigt auch Toralf Schirmag, Wirtschaftsförderer im Potsdamer Rathaus: „Der Bauantrag wurde gestellt, aber es mussten mehrere Sachen nachgereicht werden.“ Eine Eröffnung noch für Ende 2007 sei ein sehr sportliches Ziel der Planer gewesen. Frühestens zum Ende des kommenden Jahres rechnet Schirmag mit der Fertigstellung.

Ein weiteres Großprojekt mit chinesischer Beteiligung scheint ebenfalls nur schwer in Fahrt zu kommen. Chinesische Möbelproduzenten aus der Provinz Sichuan wollten schon ab dem kommenden Jahr von Potsdam aus den europäischen Einrichtungsmarkt erobern. Entstehen sollte unter anderem ein Großhandelszentrum für Wohnkultur a la Fernost auf dem Gelände des Gewerbegebietes Friedrichspark im Norden der Brandenburger Landeshauptstadt. Auf insgesamt 100 bis 150 Millionen Euro wurde das Investitionsvolumen geschätzt. „Das ist einfach ein sehr großes Projekt, das noch etwas mehr Zeit braucht“, sagt Schirmag. Noch befinde man sich im Diskussionsstadium. „Es gibt regelmäßige Treffen mit den Projektentwicklern.“ Geklärt werden müsse, wie deren Vorstellungen mit den Bauplänen in Einklang gebracht werden könnten.

Jüngste Hoffnung auf chinesischen Geldsegen ist die geplante Chinatown auf einem ehemaligen Flughafengelände bei Oranienburg. Für mehr als 500 Millionen Euro will die Brandenburg-ChinaProjektmanagement GmbH (BCPM) aus Frankfurt an der Oder ein Wohn- und Geschäftsviertel bauen. Geplant sind Teehäuser, Pagoden und Wohnraum für rund 2000 Menschen. Im kommenden Herbst sollen die Bauarbeiten beginnen.

Das Grundstück ist noch im Besitz der Brandenburgischen Boden Gesellschaft (BBG). „Wir arbeiten dran“, sagt Stefan Kunigam, einer der beiden Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft. Eine erste Frist habe die Brandenburg-ChinaProjektmanagement GmbH verstreichen lassen. „Wir hatten die BCPM aufgefordert, bis Ende November eine Finanzierungsbestätigung für die Kaufsumme vorzulegen“, sagt Angela Podwitz von der BBG. Dies sei nicht geschehen. Die Projektentwickler hätten um eine Fristverlängerung gebeten. Matthias Matern

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