Der Tagesspiegel : Prosit an der Lagune

In den „Tropical Islands“ feierten 4000 Gäste Brandenburgs größte Silvesterparty – in Bikini oder Frack. Böller waren verboten, Kinder schliefen in Zelten – und viele spendeten für die Flutopfer in Asien

Claus-Dieter Steyer

Brand - Ohne einen einzigen Böller begrüßten die 4000 Gäste der größten Brandenburger Silvesterfeier das neue Jahr. Der neue Freizeitpark „Tropical Islands“ in Brand begnügte sich um Mitternacht mit einer Lasershow und einem kurzen Indoor- Feuerwerk auf der Bühne inmitten des großen Badebassins. Damit reagierte der aus Malaysia stammende Betreiber Colin Au nicht nur auf den Aufruf, angesichts der Flutkatastrophe auf das Abfeuern von Böllern zu verzichten und das Geld den Opfern zu spenden. Die Sicherheit der Menschen in der riesigen Halle hatte Vorrang. Deshalb kontrollierte der Wachdienst alle Besucher am Eingang nach mitgeführten Feuerwerkskörpern oder metallischen Gegenständen. Jeder konnte in einem gesonderten Behälter seine Spende für die Opfer in Südostasien einwerfen. Das Management hatte bereits am Wochenanfang 5000 Euro auf ein Hilfskonto überwiesen.

Viele Gäste nutzten die Gelegenheit zum Spenden. „99 Euro kostet der Eintritt für die Silvesterparty, da gebe ich den gleichen Betrag den Opfern“, sagte Beate Jahnke aus Berlin. „Wir werden hier schließlich auf Schritt und Tritt an die von der Flutwelle betroffenen Regionen erinnert“. Tatsächlich halfen beim 70 Millionen Euro teuren Umbau der einstigen Luftschiffhalle Arbeiter aus Thailand, Malaysia und Bali. Ein Beraterteam der Organisation zum Schutz des Regenwaldes in Sri Lanka unterstützte die Anlage des Dschungels in der Hallenmitte. Auf den Bühnen treten täglich Tanzgruppen aus Thailand, Malaysia, Bali und Borneo auf. In der Silvesternacht war ihnen allerdings nicht zum Feiern zumute. Ein eigens eingeflogenes Orchester aus Brasilien übernahm mit einem mehr als acht Stunden dauernden Musikmarathon die Unterhaltung der Gäste in der ausgebuchten Halle.

Kontraste bestimmten überall das Bild. „Wir sind etwas unpassend gekleidet“, stellte ein Mann im mittleren Alter nach dem dritten Cocktail an einer der vielen Bars fest. „Den Frack hätte ich gegen mein geliebtes Safari-Hemd und meine Bermudashorts tauschen müssen. Mit so einer tropischen Hitze hatte ich nicht gerechnet.“ Da hatten es seine Nachbarinnen besser getroffen. Im knappen Bikini machten ihnen die 28 Grad Celsius nichts aus. „Baden, Essen vom Buffet, Caipirinha, viel tanzen und schwimmen“, schilderte die 18-jährige Yvonne Seifert aus Cottbus im Telegrammstil ihr Programm.

Selbst während der Show „Viva Brasil“ sah man auf den Terrassen Winterstiefel und Badelatschen, Strohhüte und Krawatten, lange Abendkleider und Mini-Röcke oder Stolen mit Badetüchern bunt gemixt. Die Lagune und das Südsee getaufte große Bassin verschafften die beste Abkühlung. Am langen Sandstrand waren die 500 Liegestühle heiß begehrt. Und die rund 100 Mitglieder des brasilianischen Tanzensembles rissen das Publikum mit – auf die Bühne, ins Wasser oder an den Strand. Erst gegen 6 Uhr früh, als sich die Türen für das neue Publikum öffneten, verstummte auf den Bühnen langsam die Musik.

Zu dieser Zeit herrschte in einer Ecke der acht Fußballfelder großen Halle bereits große Stille. In 130 Zelten für zwei und vier Personen schliefen vor allem Familien mit Kindern. Der Kinderklub von Tropical Islands hatte sich um die jüngsten Gäste während der Feier gekümmert, damit sich die Eltern auch einmal allein an der Bar oder beim Tanzen ausgiebig amüsieren konnten.

Mit Beginn des neuen Jahren hat die Halle ihre Preise in den Nächten erhöht. Statt fünf Euro kostet ein vierstündiger Aufenthalt zwischen 22 und 6 Uhr nun zehn Euro. Viele Jugendliche hätten die Islands für ihre Feten missbraucht und damit andere Gäste gestört, hieß es zur Begründung. Mit dem erhöhten Preis wolle man den Ansturm dieser Besuchergruppen etwas verringern.

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