Protest aus Peking : Dalai-Lama-Besuch: China sauer auf Bush

China hat ein internationales Treffen zu Irans Atomprogramm in Berlin abgesagt, weil der Dalai Lama am selben Tag einen hohen Orden in Washington erhält. Dass Präsident Bush den tibetischen Religionsführer im Weißen Haus empfängt, erregt die Gemüter in Peking zusätzlich.

Peking/Washington    Nach den Verstimmungen um den Besuch des Dalai Lama im Bundeskanzleramt vor gut drei Wochen steht nun auch US-Präsident im chinesischen Schussfeuer, weil er den tibetischen Religionsführer in Washington empfängt. Deshalb sei ein ursprünglich für Mittwoch in Berlin geplantes Treffen zum iranischen Atomprogramm auf Initiative Chinas verschoben worden, berichten US-Regierungskreise. Es habe offenbar Verstimmungen auf chinesischer Seite gegeben, weil der Dalai Lama am selben Tag in Washington im US-Kongress eine Auszeichnung erhalten solle, sagte ein US-Diplomat. Der US-Kongress will den Religionsführer aus Tibet mit der höchsten zivilen Auszeichnung der USA ehren. Zu der Veranstaltung wird auch US-Präsident George W. Bush erwartet, der den Dalai Lama bereits am Dienstag im Weißen Haus empfangen wird.

Die Chinesen hätten entschieden, dass Mittwoch nicht der geeignete Tag für das Treffen der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands sei, sagte der US-Diplomat weiter. Das Treffen könnte nach Angaben aus US-Diplomatenkreisen möglicherweise in der kommenden Woche stattfinden. In Berliner Diplomatenkreisen hatte es zuvor geheißen, das Treffen sei wegen Terminproblemen einer der Delegationen auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Teilnehmer bemühten sich um einen neuen Termin. Die sechs Regierungsvertreter hatten über eine mögliche Verschärfung der Sanktionen gegen Iran verhandeln wollen.

Mehrere bilaterale Treffen mit Deutschland abgesagt

China hat US-Präsident George W. Bush bereits zuvor vor schädlichen Konsequenzen für die Beziehungen zwischen den beiden Ländern gewarnt. Das beiderseitige Verhältnis werde durch eine persönliche Zusammenkunft des US-Präsidenten mit dem im Exil lebenden geistlichen Oberhaupt der Tibeter "schwer untergraben", sagte Außenamtssprecher Liu Jianchao.

Am Mittwoch sollte das Oberhaupt der Tibeter in einer Zeremonie in Washington den höchsten Zivilorden des US-Kongresses entgegennehmen. Er war im September auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin empfangen worden. Peking sagte daraufhin mehrere bilaterale Treffen ab und warnte ebenfalls vor den Folgen für die beiderseitigen Beziehungen. (Jörg Vogler mit AFP)