Proteste : 12.000 Türken und Kurden demonstrieren friedlich

Angesichts des Konflikts im türkisch-irakischen Grenzgebiet haben heute in ganz Deutschland Türken und Kurden friedlich demonstriert. Innenminister Schäuble kündigte eine harte Verfolgung von Gewalttätern an.

BerlinBei der größten Demonstration zogen in Nürnberg laut Polizei 7000 Menschen durch die Innenstadt. Der Protest, der von einem türkischen Verein organisiert worden war, blieb ebenso wie alle weiteren ohne größere Zwischenfälle. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) drohte mit harten staatlichen Sanktionen, sollten die Proteste eskalieren.

In Hamburg zogen am Nachmittag nach Angaben der Polizei 1850 Menschen auf Einladung kurdischer Veranstalter durch die Innenstadt. Die mit mehreren Hundertschaften der Polizei gesicherte Demonstration sollte am späten Nachmittag am türkischen Generalkonsulat enden. Nach den Worten eines Polizeisprechers verlief der Protest recht ruhig, es seien aber Fahnen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK beschlagnahmt worden.

Warnungen an die Organisatoren

In Stuttgart nahmen 1200 Menschen an einer von einer kurdischen Organsation angemeldeten Demonstration teil, in Dortmund kamen ebenfalls 1200 Teilnehmer zu einer Kurden-Demo. In Mannheim zogen 800 Menschen bei einer von einer türkischen Gruppe organisierten Demonstration durch die Innenstadt. In Köln demonstrierten mehrere hundert Kurden gegen den Einmarsch der Türkei in den Norden Iraks. Dort sollte am Sonntag noch eine von Türken organisierte Demonstration stattfinden, zu der 10.000 Menschen erwartet wurden.

Die Demonstrationen waren mit Sorge erwartet worden, nachdem es am vergangenen Sonntag zu Ausschreitungen nach einer Demonstration in Berlin gekommen war. An derselben Stelle wollten am Sonntag Kurden demonstrieren, die Veranstalter dort rechneten mit tausend Teilnehmern. Laut Polizei wurden die Organisatoren eindringlich darauf hingewiesen, alles für einen friedlichen Verlauf zu tun.

Sicherheitsbehörden sind alarmiert

Schäuble warnte vor neuer Gewalt zwischen Kurden und Türken in Deutschland. Sollte es dazu kommen, werde es zu einer harten Reaktion des Staates kommen, sagte Schäuble der "Bild am Sonntag". Er fügte hinzu: "Jeder darf demonstrieren. Aber Gewalt wird unser freiheitlicher Rechtstaat nicht dulden." Mit aller Entschiedenheit und Klarheit würde dagegen vorgegangen. Schäuble sagte, es sei nicht auszuschließen, dass der Konflikt im türkisch-irakischen Grenzgebiet zu einer Radikalisierung von Kurden und Türken auch in Deutschland führe. "Deshalb müssen unsere Sicherheitsbehörden ihre Verantwortung sehr ernst nehmen."

Der Vorsitzende des Deutsch-Türkischen Forums in der nordrhein-westfälischen CDU, Bülent Arslan, sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger", der Konflikt zwischen Türken und Kurden gebe Aufschluss über die mangelnde Integration beider Volksgruppen in Deutschland. "Man kann jetzt sehen, wo das Hauptaugenmerk und die Identifikation der Leute ist. Das ist eine Türkei-Identität." Deutsche Politiker sollten deshalb im türkischen Fernsehen auftreten, um die Stimmung zu beschwichtigen, forderte Arslan. (mit AFP)