Proteste : G-8-Gegner formieren sich in Rostock

Mit rund zweistündiger Verspätung hat am Rostocker Stadthafen die Abschlusskundgebung von Globalisierungskritikern gegen den G-8-Gipfel begonnen. Rund 5000 Demonstranten versammelten sich noch einmal, um gegen die Politik der G 8 zu protestieren.

Demonstrationszug mit G-8-Gegnern zieht zum Rostocker Hafen.
Demonstrationszug mit G-8-Gegnern zieht zum Rostocker Hafen.Foto: dpa

RostockRostock - Mehrere tausend Globalisierungsgegner haben zum Abschluss ihrer Protestaktionen noch einmal gegen die Politik der G-8-Staaten demonstriert. Rund 5000 Demonstranten versammelten sich am Nachmittag am Rostocker Stadthafen, nachdem die Sitzblockaden am Sicherheitszaun um das Tagungsgelände am Morgen beendet worden waren. In der Nähe von Heiligendamm beendete die Polizei eine weitere spektakuläre Aktion der Umweltschutzorganisation Greenpeace: Mit einem Hubschrauber wurde ein Fesselballon gestoppt, der sich in Richtung des Tagungsgeländes bewegte.

Bei der Abschlusskundgebung zogen die Organisatoren der Proteste eine positive Bilanz ihrer Aktionen. Die Demonstranten hätten gezeigt, "dass wir Nein sagen", sagte Christoph Kleine vom Bündnis Block G 8. Eine weitere Rednerin forderte die Globalisierungsgegner auf, ihren Protest auch künftig fortzusetzen. Der Beginn der Demonstration am Stadthafen hatte sich wegen der umfangreichen Kontrollen an den Zufahrtsstraßen verzögert. Die Veranstalter warfen der Polizei vor, G-8-Gegner dabei "willkürlich" festgenommen zu haben. Attac-Koordinator Werner Rätz sagte vor Journalisten in Rostock, die Proteste hätten "die politische Welt" verändert. Die Globalisierungsgegner seien zur "Massenbewegung" geworden. "Das ist neu für Deutschland."

Die Fahrt des Fesselballons von Greenpeace wurde bereits nach zehn Minuten von zwei Hubschraubern im Rostocker Stadtteil Elmenhorst gestoppt, wie ein Polizeisprecher berichtete. Demnach wurden beide Insassen in Gewahrsam genommen, der Ballon wurde von der Polizei sichergestellt. Die Umweltschützer in dem Ballon hätten mit einem Transparent auf das Scheitern des G-8-Gipfels in puncto Klimaschutz aufmerksam machen wollen, hätten aber "noch außer Sichtweite von Heiligendamm" landen müssen, sagte Greenpeace-Klimaexperte Jörn Feddern. Erst am Donnerstag hatte Greenpeace versucht, mit Schlauchbooten in die Sperrzone vor Heiligendamm einzudringen. Die Polizei drängte die Boote ab, die dabei verletzten Greenpeace-Aktivisten wurden am Freitag wieder aus dem Krankenhaus entlassen.

Eingesperrt in "Metallkäfigen"

Die Anwälte der Demonstranten klagten am Freitag über "menschenunwürdige Bedingungen", unter denen Festgenommene festgehalten würden. Sie würden in einer Gefangenensammelstelle in "Metallkäfigen" eingesperrt, in denen jeweils bis zu 20 Menschen säßen, erklärte der Republikanische Anwälteverein. Dort werde ihnen auch die anwaltliche Betreuung verwehrt. Am Freitagnachmittag zogen einige hundert Demonstranten zu der Sammelstelle, und forderten in Sprechchören die Freilassung der Festgenommenen.

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil äußerte Verständnis für die Proteste. Sie zeigten "massives Unbehagen" in der Bevölkerung. Die SPD wolle mit jenen, die die Globalisierung kritisch sehen, in den Dialog treten. Sie sollten nicht nur protestieren, "sondern auch in die Verantwortung treten", betonte Heil. (mit AFP)