Proteste gegen Rushdie-Ritterschlag : "Jeder Gotteslästerer muss mit dem Leben haften"

Gegen die Verleihung der Ritterwürde an Salman Rushdie sind weitere Proteste entbrannt. Ein pakistanischer Parlaments-Präsident rief sogar zum Mord auf.

Rushdie
Proteste gegen den britischen Autor Salman Rushdie. -Foto: AFP

Jakarta/Kairo/BerlinMit Indonesien und Ägypten haben auch die bevölkerungsreichsten Länder der islamischen und der arabischen Welt gegen die Verleihung der Ritterwürde an den britischen Autor Salman Rushdie protestiert. Zuvor hatten bereits Pakistan, der Iran und der Irak die Entscheidung der Londoner Regierung kritisiert, den indisch-britischen Autor zum Ritter zu schlagen. In Deutschland solidarisierten sich derweil Schriftsteller und Verleger mit Rushdie.

Der indonesische Außenminister Hassan Wirajuda erklärte zu der Ehrung für Rushdie: "Der Zeitpunkt ist falsch, um eine gute Atmosphäre für gegenseitiges Verständnis zwischen den Zivilisationen, Kulturen und Religionen zu schaffen". "Man muss nicht Leute ehren, die das heilige Buch des Islams beleidigt haben", sagte Arief Awaluddin von der Gerechtigkeits- und Wohlfahrtspartei.

In einer Erklärung des ägyptischen Parlaments heißt es: "Dies ist eine weitere der Beleidigungen des Islams, wie sie zum Terrorismus geführt haben." Der Ritterschlag solle "neu überdacht werden, um die Welle anti-britischer Gefühle in der islamischen Welt zurückzuschlagen".

Der Präsident eines pakistanischen Provinzparlaments rief sogar zum Mord auf. "Jeder Gotteslästerer muss mit dem Leben haften", sagte Parlamentspräsident der zentralen Punjab-Provinz, Afzal Sahi. "Ich werde einen Gotteslästerer töten, wenn ich auf ihn stoße." Es sei "Teil unserer Religion" jemanden töten zu dürfen, der den Propheten Mohammed beleidigt habe.

Verhasst wegen Buch "Satanische Verse"

Rushdie ist in der islamische Welt wegen seiner Beschreibung des Propheten Mohammeds in seinem Buch "Satanische Verse" verhasst. Der iranische Revolutionsführer Ayatollah Khomeini hatte 1989 nach der Veröffentlichung des Buches eine Todesdrohung gegen Rushdie ausgesprochen. Der Autor lebte jahrelang unter starkem Polizeischutz.

In Berlin erklärten die Autoren Michael Kleeberg und Navid Kermani: "Das ist so seit 1989, und das bleibt so: Wenn Salman Rushdie gedroht wird, wird jedem Schriftsteller gedroht". Zu den Unterzeichnern der Erklärung gehören auch Moritz Rinke, Ingo Schulze, Gerd Haffmans, Tilman Spengler und Ulrike Draesner. (mit dpa)