Proteste : Mönche in Birma bleiben standhaft

Auch heute versammelten sich in Birma wieder zehntausende Mönche zu friedlichen Protesten gegen die Regierung. Sie ließen sich von Drohungen der Regierung nicht einschüchtern. Stündlich schließen sich weitere Demonstranten an. Die Regierung droht mit "Maßnahmen".

Birma Proteste
In Birma setzen sich die friedlichen Proteste gegen die Militärregierung entgegen aller Drohungen auch heute fort. -Foto: AFP

Rangun Die Mönche zeigten offener als je zuvor ihre Verachtung für das Militärregime. Nach Angaben von Augenzeugen beteiligten sich allein in der Metropole Rangun mehr als 50.000 Menschen an den Protesten gegen das Militär, das das Land seit 45 Jahren in eisernem Griff hat. Sie skandierten "Demokratie!" und "Der Wille des Volks muss erfüllt werden!". Einige entrollten Transparente mit dem Bild eines kämpfenden Pfaus, einem Symbol demonstrierender Studenten beim Aufstand 1988. Andere trugen Fotos von der unter Hausarrest stehenden Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi und ihrem Vater, einem Nationalhelden aus dem Unabhängigkeitskampfes gegen die Briten.

Die Demonstrationen waren aber kleiner als am Montag, als 100.000 Menschen auf der Straße waren. Beobachter führten das auf die ersten Drohgebärden des Regimes seit Beginn der massiven Demonstrationen vergangene Woche zurück. Einige Medien berichteten, in Rangun sei inzwischen bewaffnete Bereitschaftspolizei aufgezogen.

"Welches Recht hat das Militär, uns den Protest zu verbieten?"

Die Europäische Union forderte "alle Beteiligten, aber ganz besonders die Regierung, zu größtmöglicher Zurückhaltung" auf. "Wir hoffen auf einen politischen Dialog unter Einschluss aller Beteiligten und die Achtung der Menschenrechte", sagte ein Sprecher der Kommission. China rief das Militär zu einem "angemessenen" Umgang mit den Protesten auf. Eine Sprecherin des Außenamtes betonte aber, China mische sich nie in innere Angelegenheiten anderer Staaten ein.

Die erste Drohgebärde des Regimes kam nach tagelangem Schweigen am Montagabend. Der Religionsminister zeigte sich in betont devoter Haltung mit mehreren greisen Mönchen im Fernsehen und diffamierte die demonstrierenden Glaubensbrüder. Sie würden von feindlichen Kräften gelenkt und bedrohten den Frieden im Land. Er forderte die Alten auf, den Protesten ein Ende zu setzen. Andernfalls werde das Regime seine eigenen "Maßnahmen" ergreifen. Einzelheiten nannte er nicht. Der staatlich gelenkte Religionsrat forderte Klostervorsteher auf, weitere Proteste zu unterbinden. Sie hatten sich im August an drastischen Preiserhöhungen entzündet. "Welches Recht hat das Militär, uns den Protest zu verbieten?" sagte ein Mönch. "Wir gehören zum Volk, wenn das Volk arm ist, sind wir es auch."

Mönche trotzen den Drohgebärden des Regimes

Am Morgen rollten Militärfahrzeuge mit Lautsprecheranlagen durch die Straßen. Die Menschen wurden davor gewarnt, sich an Protesten zu beteiligen. Schon das Zuschauen werde mit Gefängnis bestraft. Ein Einschreiten des Militärs sei nicht auszuschließen. Die Stimmung im Land war angespannt, berichteten Exil-Birmanen nach Gesprächen mit Verwandten. Viele Menschen fürchteten ein Blutbad wie 1988. Damals schlug das Militär eine Demokratiebewegung brutal nieder. Rund 3000 Menschen kamen dabei ums Leben.

Dennoch sammelten sie nach Angaben von Augenzeugen tausende Mönche am Mittag an der Shwedagon-Pagode, dem 100 Meter hohen vergoldeten Wahrzeichen der Stadt. Der Platz davor ist wegen früherer Demokratiekundgebungen besonders symbolträchtig. Von dort marschierten sie mit einer immer größeren Gefolgschaft von Zivilisten in die Innenstadt, ehe sie sich am Nachmittag wieder in ihre Klöster zurückzogen. (mit dpa)