Proteste : Oppositionelle sprechen von 200 Toten in Birma

Der UN-Sondergesandte Ibrahim Gambari hat auf seiner Birma-Reise Militärchef Than Shwe gesprochen und sich anschließend erneut mit der Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi getroffen. Deren Anhänger fürchten, dass bei den Protesten bis zu 200 Menschen getötet wurden.

Birma
Polizisten sichern am 1. Oktober Straßen in der Hauptstadt Rangun. -Foto: AFP

RangunDer UN-Sondergesandte Ibrahim Gambari ist zum Abschluss seiner Birma-Reise erneut mit Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi zusammengetroffen. Das 15-minütige Gespräch fand nach Angaben eines birmanischen Regierungsbeamten im Gästehaus der Armee in der Hauptstadt Rangun statt. Zuvor war Gambari vom Chef der Militärjunta, Than Shwe, am Regierungssitz in Naypyidaw empfangen worden. Der UN-Diplomat hatte Suu Kyi bereits am Sonntag getroffen. Nach dem zweiten Gespräch mit der Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin, die seit 18 Jahren fast ununterbrochen unter Hausarrest steht, reiste Gambari aus Birma ab. Details über das Treffen wurden bislang nicht bekannt

Eine Rede des birmanischen Außenministers Nyan Win vor der UN-Vollversammlung in New York ließ nicht auf einen versöhnlichen Ton des Regimes schließen. Er kritisierte "politische Opportunisten" im In- und Ausland, die sein Land vom Weg der Demokratisierung abbringen wollten. Birma steht seit 1962 unter Militärdiktat. Die derzeitige Junta, die zu den korruptesten Regimen der Welt gezählt wird, hat den Wahlsieg von Suu Kyi 1990 ignoriert. Der Außenminister bezeichnete die demonstrierenden Mönche und Zivilisten als "Pöbel".

"Human Rights Watch" fordert Boykott

Unterdessen hat die Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" ausländische Firmen aufgefordert, sich aus Protest gegen das gewaltsame Vorgehen des Militärs gegen friedliche Demonstranten aus Birma zurückziehen. Das Argument, ihre Präsenz in der Militärdiktatur komme den Menschen zugute, ziehe nicht. "Ruhig zu bleiben, wenn Mönche und friedliche Demonstranten ermordet und eingesperrt werden, ist nicht gerade ein Zeichen von konstruktivem Engagement", teilte die Organisation in New York mit.

In dem Land sind vor allem Firmen aus China, Indien und Thailand, aber auch aus Australien, Frankreich und Russland aktiv. Thailand ist der größte Gasabnehmer Birmas. Vor der Küste wird gerade ein riesiges neues Erdgasvorkommen erschlossen. Es soll der Militärjunta mehr als zwei Milliarden Dollar (1,4 Mrd Euro) im Jahr einbringen.

Kaum noch ungefilterte Informationen

Der Informationsfluss aus Birma ist beinahe zum Erliegen gekommen, seit die Militärführung die Internet- und Telefon-Verbindungen blockiert hat. "Es ist offensichtlich, dass die Polizei jeden festhält, der eine Kamera oder ein Handy hat. Jeder Passant kann jetzt Opfer von Durchsuchungen werden", meldete die von Exil-Birmanern betriebene Agentur Mizzima am Montag aus Neu-Dehli. Dass überhaupt noch Bilder und Nachrichten außer Landes gebracht werden, nennt der stellvertretende Chefredakteur von Mizzima, Mung Pi, gegenüber Tagesschau.de ein "kleines Wunder".

Das Militär hatte nach tagelangen Protesten von Zehntausenden Mönchen und Zivilisten vergangene Woche Tränengas und Schlagstöcke und Maschinengewehre eingesetzt. Wie viele Menschen dabei ums Leben kamen, ist weiter unklar. Nach offiziellen Angaben starben zehn Menschen. Nach australischen Angaben gab es 30 Tote. 1400 Menschen seien festgenommen worden, sagte Außenminister Alexander Downer. Die Opposition fürchtet nach Angaben des aus Norwegen sendenden Radios Demokratische Stimme Burmas, dass bis zu 200 Menschen starben. (küs/dpa/AFP)