Prozess : 28-Jähriger gesteht Tötung seiner Eltern

René S. aus Rathenow fühlte sich unter ständigem Erfolgsdruck der Eltern. Eines Tages „hat es Klick gemacht“, sagt er im Prozess. Da griff er zu Hammer, Messer – und Säge.

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Potsdam - „Versager“ hatten die Eltern immer wieder zu ihm gesagt. Am Ende hielt es René S. nicht mehr aus. Er tötete sie und zerstückelte die Leichen. Seit Dienstag muss sich der 28-Jährigen aus Rathenow wegen des Doppelmordes vor dem Landgericht Potsdam verantworten.

René S., ein hagerer Mann mit blassem Gesicht, wirkt fast befreit, als sich der Vorsitzender Richter Frank Tiemann nach den Hintergründen der Tat erkundigt. Alles beginnt mit seiner Geburt, erzählt S. Er kommt mit einem Klumpfuß zur Welt, die Operation läuft schief und ist zu 50 Prozent behindert. Die Mutter gibt ihre Arbeit auf und betreut ihren Sohn daheim. „Dass es eine Parallelwelt gibt da draußen, habe ich erst später gemerkt.“ Die Eltern – „Mutti und Vati“ – schotten ihn von der Außenwelt ab.

S. ist ein guter Schüler, Freunde hat er nicht. Nach dem Abitur will er Medizin studieren, Chirurg werden. Die Eltern sind dagegen, das würde ihn überlasten - wegen des Klumpfußes. Ihnen zuliebe studiert S. ab 2001 in Potsdam, es ist gut erreichbar von Rathenow aus. Besonders die Mutter legt wert auf einen „ehrbaren, sicheren Beruf“ für ihren Sohn. Sie selbst, eine studierte Chemikerin, war lange arbeitslos. Der Vater verlor nach der Wende einen Baumarkt-Job, das war im April 1995, S. kann sich gut erinnern, er nimmt so etwas sehr genau.

Diese Klarheit fehlt ihm im Jura-Studium, einem Fach, wo alles eine Frage der Auslegung ist. Schnell „widert“ ihn das Studium an, lügt, er habe das Staatsexamen bestanden. Da spricht die Mutter schon über eine Doktorarbeit. René S. lehnt ab, eine Woche spricht sie nicht mit ihm.

Der Mann verzweifelt, ein Selbstmordversuch im November 2009 scheitert, er bricht das Studium ab. Auch jetzt noch herrscht Schweigen in der Familie. Weihnachten, Silvester und Geburtstag fallen aus, der Mutter ist nicht danach. Stattdessen wirft sie ihrem Sohn Versagen vor. Der Vater spricht vom Großvater, der sich im Krieg „richtig erschossen hat, das hat bei mir nicht geklappt“.

Aber S. schöpft Hoffnung in der Ausbildung zum Finanzwirt, ein Weg raus aus dem Elternhaus. Am 9. Juni 2010 fährt er nach Hamburg zum Bewerbungsgespräch, die Eltern halten nichts davon. Am Morgen „ist es übergelaufen, es hat Klick gemacht“. Der Vater hält ihm vor, die Bewerbung sei sinnlos. Im Keller des Hauses sticht S. mehrmals mit einem Küchenmesser auf den Vater ein. Auch die Mutter macht ihm Vorwürfe. Er könne sich die Fahrt sparen, das sei Geldverschwendung. S. nimmt einen Hammer und schlägt auf den Kopf der Mutter ein. „Ich konnte es einfach nicht mehr hören.“ Er fährt noch mit gutem Gefühl nach Hamburg. Einen Tag später, zurück in Rathenow, bekommt er eine Absage.

In den nächsten Wochen zersägt er die Leichen mit einer Kettensäge, kleidet akkurat die Räume mit Folie aus. Die Leiche der Vaters verbrennt er im Heizungsofen, die Körperteile der Mutter versteckt er in Fässern. Am 13. Juli kommt die Polizei, alarmiert von Nachbarn. Beamte durchkämen das Grundstück, bemerken Leichengeruch und finden die Körperreste. „Richtig ruhig bin ich erst im Gefängnis geworden“, sagt der 28-Jährige.

Die Verhandlung wird in acht Tagen fortgesetzt, das Urteil wird in einem Monat erwartet. Alexander Fröhlich

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