Prozess : Mutmaßlichem Terrorhelfer drohen bis zu zehn Jahre Haft

In Schleswig hat der Prozess gegen einen mutmaßlichen Terrorhelfer der Al Qaida begonnen. Der 37-Jährige soll die Terror-Organisation finanziell und durch Rekrutierungen unterstützt haben.

André Klohn[ddp]

Schleswig Vor dem Oberlandesgericht (OLG) Schleswig hat heute der Prozess gegen einen mutmaßlichen Unterstützer des Terrornetzwerks Al-Qaida aus Kiel begonnen. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 37-jährigen Redouane E. H. vor, zwischen August 2005 und Juli 2006 die terroristischen Aktivitäten von Al-Qaida finanziell und durch Vermittlung von Dschihad-Kämpfern in den Irak gefördert zu haben. Er war im Juli 2006 in Hamburg festgenommen worden. Der Angeklagte selbst wollte zu Verhandlungsbeginn nicht aussagen, gab jedoch eine umfangreiche Erklärung zu seinem persönlichen Werdegang ab.

Der Deutsche marokkanischer Herkunft soll insgesamt 5000 Euro nach Ägypten und Syrien transferiert haben. Mit dem Geld sollte laut Anklage "Ausrüstung für 'Gotteskämpfer' beschafft, die Teilnahme an einer Sprengstoffausbildung finanziert und ein Schleuser entlohnt werden". Der 37-Jährige betrieb in Kiel einen Call-Shop und verfügt nach Erkenntnissen der Ermittler über zahlreiche Kontakte zum internationalen Netzwerk von Dschihad-Kämpfern unter anderem in Syrien, Algerien und im Irak. Er selbst soll Ende November 2005 in Algerien im Lager einer dort operierenden terroristischen Vereinigung einen Sprengstofflehrgang absolviert haben.

Chat-Dateien sichergestellt

Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Matthias Krauß wurden auf Computerfestplatten des Angeklagten insgesamt 512 000 Internet-Chats sichergestellt. Davon sei etwa ein Drittel ausgewertet worden. Gegen zwei der Chat-Partner werde ebenfalls wegen Gründung einer terroristischen Vereinigung im Ausland ermittelt und solle noch im August beziehungsweise Herbst Anklage erhoben werden. Beide seien bereits aus Schweden nach Deutschland ausgeliefert.

Der Angeklagte sagte zu Prozessbeginn, der Tod seines Bruders im August 2003 sei ein "Wendepunkt" in seinem Leben gewesen. Danach habe er sich sehr intensiv mit dem Islam auseinander gesetzt, dem Alkohol abgeschworen und sämtliche Kontakte zu seinem früheren Kieler Umfeld abgebrochen. "Ich habe mich nur mit Religion befasst", sagte er. Später habe er in einer Moschee einen neuen Freund kennen gelernt, mit dem er eine Wohnung bezogen und einen Call-Shop gegründet habe. Dort habe er den ganzen Tag gearbeitet. "Die Zeit konnte man sich nur mit Chats vertreiben", sagte er.

Die Hauptverhandlung findet aus Sicherheitsgründen in einem Saal des Oberverwaltungsgerichts statt. Für den Prozess sind zunächst vier Verhandlungstage angesetzt. Im Falle einer Verurteilung wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung drohen Redouane E. H. bis zu zehn Jahre Haft.