Der Tagesspiegel : Prozess um Überfall an einer Ampel

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Mehrere Anwohner und Passanten beobachteten den Überfall, geholfen aber hat niemand: Jens S. war an einer Kreuzung in Lichtenberg in das Auto einer 32-jährigen Frau eingedrungen. Er drückte ihr eine Pistole an die Stirn und kündigte an, dass er sie vergewaltigen werde. Vor Gericht gab er gestern den Überfall im Wesentlichen zu. „Ich wollte ihr aber nichts tun, wollte nur, dass jemand die Polizei ruft“, sagte der 35-jährige Konditor.

Es war kurz vor Mitternacht, als S. im Juni letzten Jahres an der Ampel die Autotür aufriss. Er zwang Babette M., Richtung Frauengefängnis zu fahren. Dort erklärte er, dass sie „heute schon die Dritte“ sei und er sie vergewaltigen wolle. „Die Leute liefen vorbei, eine Frau beobachtete die Szene vom Balkon aus, aber keiner hat geholfen“, sagte M. im Prozess. Dreimal habe sie die Tür aufgerissen und um Hilfe gerufen. Der Täter habe gehöhnt: „Keiner wird dir helfen, die Welt ist schlecht.“

Nachdem der Frau die Flucht gelungen war, machte sich S. zunächst aus dem Staub. Kurze Zeit später kam er jedoch zum Tatort zurück und stellte sich den Polizisten: „Ich bin der Vergewaltiger, den Sie suchen.“ Seine Verteidigerin sagte, sein Überfall sei ein Hilfeschrei gewesen. Jens S. habe unter psychischen Problemen gelitten. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. K. G.

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