Der Tagesspiegel : Prozessauftakt gegen „Doktor Siebenfinger“

Chirurg soll vier Finger verloren haben, um Prämien von fünf Versicherungen zu kassieren

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Zehdenick - Gebückt kommt Friedemann K. in Begleitung seines Anwalts ins Amtsgericht in Zehdenick (Landkreis Oberhavel). Dem Chirurgen, der auch als „Doktor Siebenfinger“ bekannt geworden ist, fehlen vier Finger. Eigentlich müsste er also „Doktor Sechsfinger“ heißen. Um den Verlust der Finger geht es in dem Prozess, der am Dienstag unter großem Interesse der Öffentlichkeit begonnen hat.

Der 55-Jährige muss sich wegen versuchten Versicherungsbetrugs in einem besonders schweren Fall verantworten. Gemeinsam mit seiner Frau will der Angeklagte im Juni 2001 Holz gesägt und einen Unfall erlitten haben. Der Anklage zufolge hingegen schnitt die Frau dem Mann absichtlich vier Finger ab, um Versicherungsprämien in Höhe von rund zwei Millionen Euro und eine monatliche Rente von 3000 Euro zu kassieren. Bei einer Verurteilung droht dem Mediziner eine Haftstrafe von bis zu vier Jahren.

Als Staatsanwalt Jörg Möbius die Anklageschrift verliest, wird Friedemann K. sichtlich nervös. Schweiß rinnt über sein Gesicht. Der Staatsanwalt betrachtet den angeblichen Unfall als reine Betrugshandlung.

Der strittige Vorfall ereignete sich nach Angaben des Angeklagten auf seinem Grundstück nahe Gransee. Er habe seiner Frau eine laufende Kettensäge gegeben, um einen Baumstamm zu zerlegen, den er selbst festgehalten habe. Die 58-Jährige sei dann von Hornissen erschreckt worden und in Panik geraten. Sie stolperte und soll ihrem Mann dabei versehentlich vier Finger der linken Hand abgetrennt haben.

Befragt nach den Gründen zum Abschluss von fünf verschiedenen Versicherungen bei unterschiedlichen Gesellschaften sagt K., das sei bei Ärzten so üblich. Er habe nach dem Unfall nur sein Geld gewollt, weil er ohne die abgeschnittenen Finger nicht mehr als Chirurg arbeiten könnte. Von Betrug könne keine Rede sein.

Der Vorsitzende hakt während der Ausführungen des Arztes immer wieder nach. In verschiedenen Gutachten sprächen Gerichtsmediziner von einem glatten Schnitt, und das Sägeblatt habe keine Blutspuren aufgewiesen, unterstreicht der Richter. Ein Insektenspezialist bezeichnet es vor Gericht hingegen als möglich, dass schwirrende Hornissen einen Menschen in Panik versetzen können. In diesem Punkt könnten die Angaben des Angeklagten also stimmen.

Der Prozess gegen „Doktor Siebenfinger“ wird am kommenden Freitag fortgesetzt. Das Urteil soll am 9. Mai fallen. Die Ehefrau des Angeklagten muss sich gesondert vor Gericht verantworten. Sie ist den Angaben zufolge derzeit nicht verhandlungsfähig. ddp

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