Prozessbeginn : Jennifers Eltern kommen heute vor Gericht

Neun Jahre lang hielten sie ihre Tochter in ihrem Haus in Lübbenow versteckt, bis die Behörden das Mädchen befreiten. Jetzt müssen sich die Eltern vor Gericht verantworten.

Peter Huth

Prenzlau – An diesem Dienstag müssen sich die Eltern der 14-jährigen Jennifer vor dem Amtsgericht Prenzlau verantworten. Neun Jahre lang hielten sie die Tochter in ihrem Haus im uckermärkischen Dorf Lübbenow versteckt, bis die Behörden das Mädchen im Juli 2009 dort herausholten. Der 42 Jahre alten Vater und die 39-jährige Mutter sind angeklagt, ihre Fürsorge- und Erziehungspflicht verletzt zu haben. Ihnen wird vorgeworfen, „durch die Beschneidung der Sozialkontakte und die Verhinderung des Schulbesuches und von therapeutischen Einrichtungen das Kind in seiner körperlichen und psychischen Entwicklung erheblich geschädigt zu haben“. Laut einem Gutachten seien „Entwicklungsstörungen“ verstärkt worden, organische Hirnschäden oder genetische Defekte hat Jennifer nicht.

Bei einer Verurteilung droht den Eltern eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe. Die Mutter ist zudem wegen Urkundenfälschung angeklagt. Mit einer selbst verfassten Bescheinigung der Templiner Waldhofschule täuschte sie die Behörden und verhinderte so die Einschulung ihrer Tochter.

Seit ihrer Entlassung aus der Klinik im September 2009 befindet sich Jennifer in einer Therapieeinrichtung. „Dort erhält sie stationäre Eingliederungshilfe, um die Auswirkungen ihrer Behinderung zu mildern“, sagt Jörg Brämer, Leiter des Landratsbüros. Sie besuche eine Schule, die für geistig behinderte Kinder die geeignete Betreuung biete. Und sie mache erkennbare Fortschritte, die immer wieder trainiert und gefestigt würden.

Zu Informationen aus Behördenkreisen, dass es regelmäßig Probleme mit den Eltern gäbe und sie nicht den zu erwartenden Kontakt zu Jennifer hielten, wollte Brämer wegen des laufenden Verfahrens keine Stellung beziehen. Er erklärte nur, dass die Betreuung weiterhin konsequent und unter Mitwirkung der Familienangehörigen erfolge. Peter Huth

7 Kommentare

Neuester Kommentar