Quartalszahlen : Bußgeld schmerzt ProSiebenSat1

Im dritten Quartal hat die Sendergruppe PorSiebenSat1 wegen eines Bußgeldes Verluste geschrieben. Die Integration der Kette SBS kommt gut voran. Möglicherweise wird die Produktionssparte verkauft.

ProSiebenSat1
Der Hauptsitz der ProSiebenSat1-Media AG in Unterföhring. -Foto: ddp

MünchenDeutschlands größter TV-Konzern ProSiebenSat.1 setzt nach Verlusten im dritten Quartal 2007 wegen eines Bußgeldes auf die weitere Integration der europäischen Senderkette SBS. Die internationale Aufstellung des Unternehmens durch den Erwerb von SBS sei die "richtige strategische Entscheidung" gewesen, sagte ProSiebenSat.1-Chef Guillaume de Posch. "Die Dynamik der anderen europäischen Märkte konnte die verhaltene Entwicklung des deutschen Marktes im dritten Quartal mehr als kompensieren." Beim Ausblick blieb das Unternehmen zurückhaltend. Für das Gesamtjahr werde vor allem dank der SBS-Übernahme weiterhin eine Umsatz- und Ergebnissteigerung erwartet, hieß es.

Im Management wird weiter ein möglicher Verkauf der hauseigenen Produktionssparte mit rund 1000 Mitarbeitern diskutiert. Ein Outsourcing des gesamten Bereichs sei eine Option, sagte ProSiebenSat.1-Vorstand Lothar Lanz. "Es würde Sinn machen, sich mit starken Partnern zusammenzutun." Eine Entscheidung sei aber noch nicht getroffen. Mögliche Interessenten seien zwei Konsortien aus dem französischen Konzern Thomson und Siemens auf der einen Seite sowie aus der Produktionsfirma Red Bee Media und IBM auf der anderen Seite. Mit einer Entscheidung sei innerhalb der nächsten 60 Tage zu rechnen, ergänzte Konzernchef Guillaume de Posch.

Im dritten Quartal drückte ein Bußgeld des Bundeskartellamtes in Höhe von 120 Millionen Euro die Senderfamilie in die roten Zahlen. Die Wettbewerbshüter hatten den ProSiebenSat.1-Werbezeitenvermarkter SevenOne Media und seinen Konkurrenten IP Deutschland von RTL im Juni wegen des Verdachts auf Wettbewerbsverstöße durchsuchen lassen, gegen die Zahlung des Bußgeldes waren die Untersuchungen eingestellt worden. Unter dem Strich verbuchte ProSiebenSat.1 zwischen Juni und September einen Verlust von 77,9 Millionen Euro, nach 13,1 Millionen Euro Gewinn im Vorjahreszeitraum. Operativ blieb ProSiebenSat.1 mit einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 0,4 Millionen (Vorjahr: plus 58,7 Mio) Euro nur knapp in den schwarzen Zahlen. Der Umsatz kletterte vor allem dank der erstmaligen Einbeziehung von SBS um 55 Prozent auf 668,4 Millionen Euro.

SBS-Kauf ist größte Übernahme der Unternehmensgeschichte

ProSiebenSat.1 hatte den Kauf der europäischen Senderkette im Juli abgeschlossen. Die bisher größte Übernahme in der Unternehmensgeschichte brachte dem Konzern einen Schuldenberg ein. Zum 30. September beliefen sich die Netto-Finanzverbindlichkeiten auf 3,541 Milliarden (Vorjahr: 311,6 Mio) Euro. "Als pan-europäische Fernsehgruppe ist ProSiebenSat.1 breiter und krisensicher aufgestellt. Die kräftige Dynamik der anderen europäischen Märkte wird auch im vierten Quartal unser Wachstum treiben", erklärte de Posch. Der Integrationsprozess verlaufe planmäßig.

Im Gesamtjahr werde das Umsatzwachstum in Verbindung mit einem weiterhin strikten Kostenmanagement "Hauptmotor der positiven Ergebnisentwicklung sein", kündigte das Unternehmen an. Dabei bleibe das werbefinanzierte Free-TV wesentlicher Wachstumsträger. Um den kartellrechtlichen Vorgaben zu entsprechen, hat der Konzern ein neues Verkaufsmodell für die TV-Werbung eingeführt. "Das Unternehmen ist zuversichtlich, mit dem neuen Modell seine Ziele zu erreichen", hieß es.

Im Free-TV-Bereich stagnieren die Erlöse

Mit der SBS-Übernahme hatte der Konzern auch seine Struktur neu geordnet und die beiden Hauptgeschäftsfelder frei empfangbares Fernsehen und Diversifikation geschaffen. Das Fernsehgeschäft ist nochmals unterteilt in die Aktivitäten auf dem deutschen Markt mit den Sendern ProSieben, Sat.1, Kabel Eins, N24, PULS TV, die Vermarktungsgesellschaft SevenOne Media und ProSiebenSat.1 Produktion sowie das internationale Geschäft mit Sendern wie SBS 6, Net 5, TV Norge und anderen. Im Diversifikationsbereich sind unter anderem das Bezahlfernsehen, der Mitmachsender 9Live, Merchandising- und Online-Aktivitäten gebündelt.

Beim frei empfangbaren Fernsehen im deutschsprachigen Raum stagnierten die Erlöse im dritten Quartal angesichts des weiter schwächelnden Konsums nahezu und lagen bei 378,3 Millionen (Vorjahreszeitraum: 377,9 Mio) Euro. Dagegen legten die Erlöse im Bereich Free-TV international um 10,6 Prozent auf 157,3 Millionen Euro zu. (mac/dpa)